Es gibt Spiele, die will man eigentlich lieber nicht gewinnen

Von am 26. Februar 2007 – 20.29 Uhr 2 Kommentare

Jeder, der schon einmal Sport betrieben hat, weiß um die wichtigsten Eigenschaften für ein erfolgreiches Abschneiden. Fleiß, Einsatzbereitschaft, taktische Cleverness, Ehrgeiz. Ehrgeiz, ja. Wer verliert schon gerne? Also ich nicht. Die Südkoreanerinnen gewiss auch nicht (freiwillig). Doch die Auslosung der Olympia-Qualifikationsrunde Asiens hat es so gewollt, dass die Mannschaft von An Jong-Goan sich in ihren zwei Spielen gegen Hongkong mit einem Sieg fast schon das eigene Grab schaufeln würde.

Aber erstmal von vorne. Neben Gastgeber China haben die Asiaten zwei weitere Startplätze für das erstmalig 12 Mannschaften umfassende Teilnehmerfeld zu vergeben (FIFA-Übersicht). Um diese wird derzeit in der ersten Qualifikationsrunde gerungen, lediglich Japan und Nordkorea sind für die zweite Etappe bereits gesetzt. Fällt die Entscheidung also erst im April? Jein. Klar, wer letzlich seine Fahrkarte löst, werden wir dann erst sehen. Doch schon heute ist klar, dass in zwei Monaten in Gruppe B erbitterte Kämpfe zu erwarten sind. Der Wechsel Australiens aus der ozeanischen in die asiatische Konföderation (siehe Womensoccer-Beitrag zu Neuseeland) hat die Sache freilich auch nicht leichter gemacht.

Leichte Gegner für Japan

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Denn einzig die Gruppensieger in den beiden Vierergruppen der Runde 2 fahren nach China. Australien, das in seiner Vorrundengruppe (C) gegen Usbekistan, Chinese Taipei und Myanmar keinerlei Probleme hatte, rutscht als Gruppensieger automatisch – wie der Zweite Chinese Taipei – in die Endrundengruppe B, in der das gesetzte Nordkorea – derzeit das stärkste asiatische Team – wartet. Japan, in Endrundengruppe A gesetzt, bekommt es mit den beiden Gruppenbesten aus Vorrundengruppe B, Thailand und Vietnam, zu tun. Glück für Japan, denn die Gruppe Thailands war die mit Abstand schwächste.

Hammergruppe mit Nordkorea und Australien wartet auf Südkorea

Doch nicht nur das, auch der Sieger aus Gruppe A, die ihre Gruppenbesten in Hin-und Rückspielen ermittelt, wird in die Endrundengruppe Nordkoreas einsortiert (siehe Übersicht des asiatischen Verbandes). Und damit sind wir zurück bei Südkorea. Die nämlich sind ebenso wie Hongkong bereits für die Endrunde qualifiziert und müssen nur noch den Gruppensieger ermitteln. Bei einer Niederlage gegen Hongkong, die sie in die Japan-Gruppe katapultierte und Nordkorea wie Australien umgehen ließe, hätten sie deutlich bessere Chancen auf Olympia, wenngleich auch Japan in Gruppe A etwas stärker einzustufen ist als Südkorea (siehe die letzten Ergebnisse Japans). Gegen Australien und Nordkorea jedoch stünden sie vermutlich hoffnungslos auf verlorenem Posten.

Etwa Eigentore als Ausweg? Wohl kaum

Kein Wunder also, dass im US-amerikanischen, von Frauenfußball-Freunden aus aller Welt bevölkerten BigSoccer-Forum schon darüber spekuliert wird, ob sich zwischen Südkorea und Hongkong ein ähnlich bizarres Match entwickeln wird wie bei den Südostasiatischen Spielen 1998 zwischen den Männermannschaften von Thailand und Indonesien, die ihre Eigentore bejubelten. Nein, wendet „JanBalk“ umgehend ein, denn auf eine Niederlage und ein Kräftemessen in der Hammergruppe B kann Hongkong ja wohl kaum aus sein. Richtig, also könnte nur Südkorea die Gegentore erbetteln. Als 23. der Weltrangliste gegen den 69. (siehe FIFA-Weltrangliste) aber wohl kein unproblematisches Unterfangen. Nein, den Südkoreanerinnen wird wohl nicht anderes übrig bleiben, als im April um eine Überraschung zu kämpfen. Irgendwie schon bemitleidenswert, oder? Aber auch so ist manchmal der Sport.

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2 Kommentare »

  • Nachtrag:

    Hin- und Rückspiel zwischen Südkorea und Hongkong werden am 10. März (in Südkorea) und am 18. März (in Hongkong) ausgetragen:

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  • Christian sagt:

    Ist zwar nicht ideal für Südkorea aber ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als daß sie auf zwei möglichst klare Siege spielen. Es geht schließlich auch um die Ehre und die leidet deutlich, wenn man gegen Hongkong unterliegt und der „großen Schwester“ Nordkorea aus dem Weg gehen wollte.
    Im übrigen ist der Leistungsunterschied nicht so groß als daß Südkorea gegen Australien und Nordkorea keine reelle Chance hätte.

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