Spannung allerorten vor dem Rückrundenstart der 1. Liga

Von am 24. Februar 2007 – 16.45 Uhr

Man kann es nicht anders sagen. Der Blick auf die derzeitige Tabelle der 1. Frauenfußball-Bundesliga gibt dem neutralen Beobachter einigen Anlass zur Freude. Im Meisterschaftsrennen und auch im Abstiegskampf steckt eine ordentliche Portion Spannung. Und nicht nur das, auch die Teams aus dem Mittelfeld liegen so eng beieinander, dass positive wie negative Überraschungen in den 12 noch ausstehenden Spielen noch für reichlich Bewegung im Klassement sorgen können. Es deutet auch einiges darauf hin, dass das Tabellenbild am 10. Juni ein deutlich anderes sein wird.

Lassen wir das schon oftmals thematisierte Meisterschaftsrennen mal außen vor und werfen einen Blick auf das Tabellenende (siehe Tabelle der 1. Bundesliga). Dort zeigt sich nicht nur die nahezu aussichtslose Situation für den abgeschlagenen und noch punktlosen Tabellenletzten FFC Brauweiler Pulheim, sondern auch, dass selbst der Tabellenfünfte, Titelverteidiger Turbine Potsdam, nur vier Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz liegt, den momentan der SC Freiburg einnimmt. Bei erst 10 gelaufenen und noch 12 ausstehenden Partien kommen somit rein theoretisch auch noch Teams aus der oberen Tabellenhälfte für den Abstieg in Frage.

Freiburg und Wolfsburg auf den Spuren des FSV Mainz 05?

Anzeige

Doch das ist nicht nur blanke Theorie. Freiburg, derzeit Elfter, erlebte eine enttäuschende Hinrunde und litt nicht nur unter dem Ausfall von Nationalspielerin Melanie Behringer, sondern auch unter dem damit stets vorhandenen Alibi, wie Trainer Dietmar Sehrig im Interview mit dem regionalen Sportmagazin „Dorfgeschwätz“ resümierte. Nun hofft er auf eine ähnlich starke Rückrunde wie im letzten Jahr, als der überraschende Sieg gegen den großen FFC Frankfurt seiner Mannschaft einen echten Kick gab. Der FSV Mainz 05 in der Männer-Bundesliga, auf den Sehrig verweist, könnte auch dem VfL Wolfsburg als Vorbild dienen. Als Aufsteiger und bei noch einem ausstehenden Wiederholungsspiel in Bad Neuenahr hatten sich die Wölfinnen zwar passabel geschlagen, bei der guten personellen Besetzung aber nicht ganz den vielfach vor der Saison geäußerten Erwartungen entsprochen. Das Karriereende gleich zu Beginn der Saison habe das geplante Spielsystem unerwartet über den Haufen geworfen, weswegen man sich erst gegen Ende der Hinserie stabilisieren konnte, erklärte Trainer Bernd Huneke gegenüber womensoccer.de. Mit den Neuzugängen Cristiane Pezzato und Nationalspielerin Britta Carlson ist für den Rest der Saison aber sicherlich noch einiges vom VfL zu erwarten.

Überraschend gut lief die Spielzeit bislang für den zweiten Aufsteiger, den VfL Crailsheim. Die Mannschaft kann im zweiten Bundesligajahr nach 2004/2005 auf ein solideres Fundament aufbauen und hat einige erfahrene Spielerinnen in ihren Reihen. Dennoch werden sie sich, wie auch der Zehnte Heike Rheine, gegen die Konkurrenten aus Freiburg und Wolfsburg wehren müssen, wenn sie die Klasse halten wollen. Bleibt schließlich auch noch der Hamburger SV, bei dem zu Anfang ziemlich alles schiefgelaufen war und der nach den namhaften Neuverpflichtungen weit hinter seinen Möglichkeiten zurück blieb. Wohin für die Hansestädterinnen der Weg geht, scheint schwer abzuschätzen.

[poll=8]

Meine Prognose: Duisburg wird Meister, für Brauweiler und Rheine geht es nach unten

Ich persönlich rechne neben Brauweiler mit dem FFC Heike Rheine als zweitem Absteiger, auch wenn Abwehrreckin Kerstin Stegemann in ihrem voraussichtlich letzten Jahr in Rheine sicherlich alles für den Nichtabstieg tun wird. Freiburg und Wolfsburg werden noch einige Plätze nach oben klettern, der HSV, Bayern München und Crailsheim Rheine auf Distanz halten. Essen kündigte kürzlich optimistisch an, seinen Kader für die nächste Saison zusammen zu halten und noch weiter zu verstärken (siehe WAZ-Artikel). Von ihnen erwarte ich einen Zweikampf um Platz drei mit dem SC 07 Bad Neuenahr, der mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Wolfsburg wieder an den Essenerinnen vorbei ziehen kann. Beim amtierenden Meister Turbine Potsdam fehlt nach zahlreichen Abgängen vor der Saison, dem Weggang von Britta Carlson und dem Ausstieg von Inken Becher in der Winterpause, während gleichzeitig nach Informationen der „Märkischen Allgemeinen“ die Nationalspielerinnen Navina Omilade und Jennifer Zietz vom VfL Wolfsburg und Conny Pohlers von mehreren Clubs umworben werden, die langfristige Perspektive, um in Ruhe einen Neuaufbau zu starten. Mehr als Platz 5 oder 6 scheint hier eher unwahrscheinlich.

[poll=7]

Mein Meistertipp in dieser Saison ist der FCR 2001 Duisburg. Die Mannschaft aus Rumeln hat einen Punkt Vorsprung und damit den Titelgewinn selbst in der Hand. Am 13. Spieltag treten sie beim FFC Frankfurt an, wo sie in den letzten Jahren erfolgreichere Spiele bestritten als zu Hause. Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgerinnen in der Winterpause waren das Signal, sich diese Chance in diesem Jahr nicht mehr nehmen zu lassen.

Mein Tabellentipp:

1. FCR 2001 Duisburg
2. 1. FFC Frankfurt
3. SG Essen-Schönebeck
4. SC 07 Bad Neuenahr
5. 1. FFC Turbine Potsdam
6. Hamburger SV
7. FC Bayern München
8. VfL Wolfsburg
9. SC Freiburg
10. TSV Crailsheim
11. FFC Heike Rheine
12. FFC Brauweiler Pulheim

Tags: , , , , , , , , ,