07 soll das Jahr der „09er“ werden

Von am 23. Februar 2007 – 14.58 Uhr

Wenn am Sonntag der Startschuss für die Rückrunde der beiden zweiten Ligen ertönt, dann bietet das im Süden dem 1. FC Saarbrücken nach dreijähriger Abstinenz die große Chance, wieder ins Bundesliga-Oberhaus einzuziehen. Die Karten der Saarländerinnen sind bei sieben Punkten Vorsprung auf den FF USV Jena großartig. Nicht großartige, aber auch sehr gute Aussichten hat im Norden die SG Wattenscheid 09, deren Frauenabteilung in diesem Jahr, in dem die Männermannschaft an der Lohrheide um die Zugehörigkeit zur Oberliga kämpft, ihren größten Erfolg feiern könnte. Am besten mit unangetastetem Sparbuch, wie 09-Trainerin Tanja Schulte gegenüber womensoccer.de berichtete.

Vier Punkte Vorsprung auf die härtesten Konkurrenten Gütersloh und TeBe Berlin – das ist das Sparbuch, das die Wattenscheiderinnen in der Hinrunde angelegt haben. Wenn alles optimal läuft, dann haben sie also „ein Spiel gut“ und könnten schon frühzeitig den Aufstieg feiern. Doch Blauäugigkeit ist nicht die Sache von Schulte, weiß sie doch um die Probleme, die ihre Mannschaft in der Hinrunde mit den vermeintlich leichten Gegnern hatte. Denn während die Siege gegen Berlin (6:2) und gegen Gütersloh (4:2) deutlich ausfielen, ließ man beim Hamburger SV II (0:1) und beim Herforder SV (2:2) Federn, kam in Calden nach Rückstand erst gegen Ende in Fahrt und musste auch in Kiel bis zum Abpfiff um die drei Punkte zittern.

Wird Berlin zum Meilenstein?

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Werden diese Gegner nicht zu unerwarteten Stolpersteinen, dann lastet aller Druck in den direkten Duellen auf Berlin und Gütersloh. Auswärts habe man sich zwar „nicht so dominant präsentiert wie an der Lohrheide“, aber „die Konkurrenten müssen was gegen uns reißen, das ist schon von Vorteil. Wir waren bisher immer diejenigen, die das Spiel machen mussten. Jetzt sind die Gegner mehr gefordert.“ Gefordert, das ist am 13. Spieltag erstmal TeBe Berlin. Die Hauptstädterinnen müssen auf jeden Fall punkten, um noch aussichtsreich im Rennen zu bleiben. Fährt die SGW siegreich zurück nach Bochum, wird die Erfüllung eines mit dem Aufstieg gleichbedeutenden Ziels der 31-Jährigen immer wahrscheinlicher: „Wir wollen ein Endspiel in Gütersloh auf jeden Fall vermeiden.“ Kein Wunder also, dass Schulte die Partie bei TeBe als „Meilenstein“ bezeichnet: „Dort gewinnen- und wir sind einen großen Schritt weiter.“

Sicherlich nicht nur mit Blick auf die laufende, sondern auch auf die neue Saison. „Überlebenswichtig“ sei der Aufstieg für die SGW zwar nicht, aber schon eine „tolle Sache“ und sicherlich auch hilfreich bei den Kaderplanungen. Auch wenn Schulte auf die vielen Eigengewächse hinweist, die im Falle eines Misserfolgs „nicht kopflos wechseln“ würden, ist auch ihr klar, dass einige junge Talente – genannt seien beispielsweise Jennifer Ninaus oder Caroline Hamann – „in die Bundesliga wollen und müssen.“

„Bochum hat Nachholbedarf bei der Unterstützung“

Am besten natürlich an der Lohrheide, an der am 12. April das erste EM-Qualifikationsspiel der Frauen-Nationalmannschaft gegen die Niederlande ausgetragen wird. Als „Anerkennung für gute Arbeit“ ordnet Schulte diesen Höhepunkt ein, spart aber auch nicht mit Kritik: „Die Stadt Bochum hat ganz klar Nachholbedarf, wenn es um die Unterstützung für uns geht. Das fängt bei den Trainingsbedingungen an und hört bei der finanziellen Unterstützung auf. Mit dem VfL Bochum ist die Stadt schon erstklassig vertreten, dennoch hoffen wir, dass wir ebenfalls jede Unterstützung bekommen.“

Tür für Annike Krahn immer offen

Ob eine solche auch reichen würde, um beispielsweise die Bochumerin Annike Krahn, mittlerweile Stammspielerin bei Bundestrainerin Silvia Neid und Leistungsträgerin bei Tabellenführer FCR Duisburg – zu verpflichten, sieht Schulte eher skeptisch. Krahn habe „andere Ziele“ als die SGW, die sich erstmal etablieren will, aber noch lange nicht – wie zum Beispiel Duisburg oder Interessent FFC Frankfurt – um Meisterschaft und Pokal spielen kann. Die Tür stehe ihr allerdings immer offen. „ Wenn ihr die Fahrerei über die schlimmste Autobahn im Ruhrgebiet (A40) jedoch zu viel wird, dann kann sie gerne die kurze Strecke zur Lohrheide fahren.“ Doch all das ist Zukunftsmusik. Erstmal gilt es für die 09-Frauen, dafür zu sorgen, dass die Lohrheide überhaupt wieder in die Reiseplanung der Erstligisten aufgenommen wird.

 

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