Wie stehen die Chancen für Deutschlands WM-Bewerbung?

Von am 15. Februar 2007 – 11.15 Uhr

Seit einem halben Jahr rührt DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger intensiv die Werbetrommel für eine deutsche Bewerbung um die Frauen-WM 2011. Jetzt ist es auch offiziell: Der DFB hat fristgerecht eine Absichtserklärung an den Weltverband FIFA geschickt. Zwanziger schätzt die Erfolgschancen der deutschen Bewerbung hoch ein. Muss er auch, sonst wäre er ein schlechter Sportfunktionär. Europa sei an der Reihe, meint Zwanziger, der vor allem Konkurrenz aus Nordeuropa fürchtet. Doch möglicherweise kommt der schärfste Widersacher aus einer ganz anderen Ecke der Welt.

Bereits im vergangenen Juni hat Kanada auf dem FIFA-Kongress in München seine Absichtserklärung an FIFA-Präsident Sepp Blatter übergeben. Kanada galt schon als Top-Favorit auf die Ausrichtung der WM 2007, doch die SARS-Epidemie brachte die Planungen durcheinander. Die WM wurde 2003 ersatzweise in den USA ausgetragen, China die WM 2007 zugesprochen.

Fürsprache von höchster Stelle

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Blatter erklärte bereits 2003, dass er einer kanadischen Bewerbung um die WM 2011 Wohlwollen entgegen bringen würde.  „Das Potenzial Kanadas (…), ist für die FIFA ein Anreiz, einer Bewerbung für die WM 2011 positiv gegenüber zu stehen.“ Und weiter: „Ich denke nicht, dass es zuviel wäre, wenn drei von vier Weltmeisterschaften in Nordamerika ausgetragen werden würden. Dass die WM 2003 in den USA ausgetragen wurde, kann man weder Kanada noch der CONCACAF negativ auslegen“, so Blatter damals.

Fishing for compliments? Nicht nur. Schon 2002 richtete das Land mit großem Erfolg die U-19-Weltmeisterschaft aus, zu unterschätzen ist die Bewerbung Kanadas sicherlich nicht.

Auch Jack Warner, der mächtige CONCACAF-Präsident und FIFA-Vizepräsident,  steht einer möglichen WM in Kanada logischerweise aufgeschlossen gegenüber. „Es wäre nicht richtig, wenn die Wahl auf Deutschland fallen würde. Kanada bedeutet es mehr als Deutschland“,  so Warner.

Doch ist es wirklich wahrscheinlich, dass Europa weitere vier Jahre auf die Austragung einer Frauen-WM warten muss und somit erst 2015 zum Zuge kommt? Zweifel sind angebracht, denn von bislang fünf Weltmeisterschaften hat es nur eine in Europa gegeben, in Schweden 1995.

Vages Interesse von Frankreich

Neben Deutschland hat in Europa bisher nur Frankreich öffentlich sein Interesse bekundet. Dies liegt allerdings schon eine ganze Weile zurück, im Verband herrscht Uneinigkeit. Realistische Konkurrenz für Deutschland könnte wohl nur aus den im Frauenfußball hoch entwickelten Ländern Norwegen und Schweden kommen.

Die Austragung auf einem anderen Kontinent ist eher unwahrscheinlich. In Südamerika ist man im Frauenfußball noch nicht soweit, das zweitgrößte FIFA-Turnier austragen zu können, Afrika richtet sein ganzes Augenmerk auf die Männer-WM 2010. Ein anderer nicht chancenloser Kandidat, Australien, hat sich durch seinen Wechsel in die asiatische Fußballkonföderation für 2011 selbst ins Abseits befördert.

Es spricht also manches für Deutschland. Mit diplomatischer Vorgehensweise gilt es nun für Zwanziger und Co. die deutschen Interessen voran zu treiben. Die Daumen dürfen gedrückt werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.