Nicht alles auf die Vorurteile schieben

Von am 13. Februar 2007 – 10.39 Uhr 3 Kommentare

Im Presseraum der Münchner Allianz Arena bekam ich vorigen Sonntag im Vorfeld des Spiels gegen Arminia Bielefeld ein Bayern-Magazin in die Hände, und ich war positiv überrascht. Da durfte doch wirklich die FCB-Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner auf einer halben Seite davon berichten, dass Bianca Rech ihren Vertrag verlängert hat. Doch mein Optimismus wurde schnell gedämpft, als ich dazu folgenden Kommentar erntete: „Am besten wäre es, sie würden in die 2. Liga absteigen, dann bräuchte man nicht mehr darüber berichten.“ Rummms! Das saß.

Die frühere Bundestrainerin Tina Theune-Meyer sagte schon vor gut eineinhalb Jahren: „Wer etwas gegen die Verbindung von Frauen und Fußball hat, den werden wir auch nicht mehr überzeugen können.“

Die Vorurteile gegenüber dem Frauenfußball ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Sports. „Fußball ist keine Sportart, die für Frauen geeignet ist, eben schon deshalb, weil er ein Kampfsport ist“, sagte Sepp Herberger, der WM-Trainer von 1954. Und 1970, als die FIFA eine Umfrage zum Thema Frauenfußball durchführte, soll ein asiatischer Verband geantwortet haben: „Gott schütze uns vor dem Frauenfußball“.

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Noch 2003 etwa musste der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder erst von seiner Tochter in einem Telefongespräch kurzfristig davon überzeugt werden, zum WM-Finale in die USA zu reisen. Die Vorurteile halten sich hartnäckig und können vom Verband und den Vereinen nur mühsam abgebaut werden. Da helfen auch keine WM- oder EM-Titel.

Dass der Frauenfußball nach wie vor Nachholbedarf hat, daran trägt der DFB selbst aber auch eine Teilschuld. Jahrelang war er verboten, nun versucht man im Eiltempo die Entwicklung nachzuholen, für die der Männerfußball ein ganzes Jahrhundert lang Zeit hatte.

FIFA lässt sich mächtig Zeit

Auch die FIFA brauchte lange, um dem Frauenfußball die nötige Anerkennung zu schenken. 1976 wurde sie durch eine Initiative der Asian Ladies Football Confederation aufgeschreckt, die eine WM durchführen wollte. Aber erst ein Jahrzehnt später raffte sie sich auf Initiative der Norwegerin Ellen Wille zum Versprechen auf, in absehbarer Zeit eine WM durchzuführen.

Von Verbandsseite her hat sich seit der ersten WM 1991 einiges getan. Im Rahmen des finanziellen Unterstützungsprogramms (FAP), mit dem jeder Verband pro Jahr 250.000 Dollar erhält, schreibt die Fifa vor, dass zehn Prozent dieser Mittel ausschließlich für die Förderung des Frauenfußballs einzusetzen sind. Nicht gerade die Welt, werden viele jetzt denken, doch oftmals wissen viele Nationalverbände schon diese Summe nicht sinnvoll einzusetzen.

Vorwurf der mangelnden Medien-Berichterstattung

Doch neben den Vorurteilen gibt es weitere Hindernisse. 2004 beklagten sich in einer Umfrage 83,5 Prozent über die unzureichende Berichterstattung in den Medien, quasi als unausgesprochener Vorwurf, dies sei der wahre Grund für die mangelnde Akzeptanz und Breitenwirkung des Frauenfußballs. Doch warum sollten die Medien im Kräftespiel von Angebot und Nachfrage umfangreich über einen Sport berichten, der es etwa in Deutschland im Schnitt nur schafft, an einem normalen Bundesligawochenende ein paar Hundert Zuschauer zu mobilisieren?

Derzeit sind im DFB mehr als 900.000 weibliche Mitglieder registriert, doch in den Stadien oder etwa auf Websites zum Thema Frauenfußball suchen wir sie in der Breite vergeblich. Diejenigen, die sich für den Sport interessieren, müssen ihr Interesse auch stärker öffentlich bekunden. Nur damit lassen sich auch die Medien langfristig hinterm Ofen hervor locken.

Und auch die Vereine können und müssen mit einer besseren Außendarstellung für eine positivere Wahrnehmung sorgen. Auf eine erfolgreiche Bewerbung um die WM 2011 als alleinige Triebkraft für die Zukunft sollte man besser nicht setzen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Stefanie sagt:

    „Doch warum sollten die Medien im Kräftespiel von Angebot und Nachfrage umfangreich über einen Sport berichten, der es etwa in Deutschland im Schnitt nur schafft, an einem normalen Bundesligawochenende ein paar Hundert Zuschauer zu mobilisieren?“

    Dem kann ich teilweise zustimmen. Es wäre naheliegender, dass kleinere Regionalsender mit geringem Budget Berichte bringen, sodass beide Seiten davon profitieren könnten, weil der Sender eine positive Resonanz in der Frauenfußball-Community erwarten könnte. Doch hier meine ich ein Kardinalproblem erkannt zu haben, wenn die Situation noch so ist, wie sie vor knapp zwei Jahren bei Fansoccer beschrieben wurde (http://www.fansoccer.de/ffallgemein/proff/brief.htm). Demnach hat die Sportrechteagentur SportA die Verfügungsgewalt über die Senderechte von der Nationalmannschaft und der Bundesliga. Kleinere Sender, die vielleicht berichten wollten, können also gar nicht senden oder sich einen Kauf von Teilrechten nicht leisten. Das ist doch ein unhaltbarer Zustand! Dann braucht man sich nicht wundern.

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  • Markus Juchem sagt:

    Wenn ich mich recht entsinne, wurde der neue TV-Vertrag mit ARD/ZDF 2004 erneut auf fünf Jahre, also bis 2009 abgeschlossen. Trotzdem sollte es doch möglich sein, ein bis zweimal pro Saison in den Regionalsendern ein Livespiel zu zeigen. Es wäre zumindest mal einen Versuch wert.

    Schön wäre natürlich auch ein wöchentliches Bundesligamagazin als sagen wir halbstündiges Format, mit Studiogästen etc., aber auch hier wäre ja erst mal vonnöten, dass TV-Kameras vor Ort sind.

    Ich denke, die Übertragung des DFB-Pokalhalbfinales im WDR ist ja schon mal ein Anfang.

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  • Stefanie sagt:

    @Markus

    Was du beschreibst, wäre sicherlich wünschenswert. Meine Kritik zielt aber nicht primär auf die öffentlich-rechtlichen Sender, also auch deren Dritte Programme ab. Mir geht’s um private Regionalsender. Die Dritten Programme haben schließlich kein Rechteproblem. Kleinere Regionalsender, die sich auf Randsportarten konzentrieren könnten, haben bei der jetzigen Rechtesituation, so wie ich sie überblicke, aber finanziell keine Möglichkeiten.

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