Ein reines Frauen-Pokalfinale – mehr als nur reizvoll?

Von am 11. Februar 2007 – 18.41 Uhr 5 Kommentare

Zugegeben, wenn die Biathletinnen und Biathleten mittlerweile alljährlich in der Schalker Veltins-Arena vor 52.000 Zuschauern in begeisternder Atmosphäre um den Sieg kämpfen, kann das schon neidisch machen. In eben jener Arena, bei bekannt vorzüglicher Organisation, ein DFB-Pokalfinale der Frauen auszurichten, Werbung und TV-Übertragung ganz auf den Frauenfußball auszurichten; dieser Gedanke hat seine Reize. Ich hielte es jedoch für einen Fehler, diesen Reizen zu erliegen.

Natürlich gibt es einiges, was dafür spricht, Männer- und Frauenfinale voneinander zu trennen. Das Frauenfinale findet zu einer fernsehunfreundlichen Zeit an einem Samstagnachmittag statt, die Ränge des Berliner Olympiastadions sind da noch ziemlich leer. Naht das Männerfinale, füllen sich die Ränge und geht bei jedem Spieler, der während des Frauenfinals das Stadion betritt, ein lauteres Gejohle los als bei jedem Tor im Finale der Fußballerinnen. Bis auf einen verschwindend kleinen Anteil gehen die Eintrittskarten an die Vereine der Männerfinalisten oder in den freien Verkauf, bei dem Jahr für Jahr einige Glückliche ausgelost werden. Die Zahl derer, die primär das Frauenfinale zum Gang ins Stadion animiert hat, ist überschaubar klein. Man könnte sich eine angemessenere Würdigung für die beiden Mannschaften, die den Einzug ins Finale geschafft haben, wünschen und vorstellen.

Als Ausweg hat – um diese Negativaspekte des Berliner Doppelfinales natürlich wissend – im November Peter Peters, der Geschäftsführer des FC Schalke 04, die Austragung des Frauenfinales in der Schalker Veltins-Arena ins Spiel gebracht. Auch die SG Essen-Schönebeck, in diesem Jahr noch mit Aussichten auf den Einzug ins Finale (Halbfinale gegen den FCR 2001 Duisburg), kann sich – und ist damit eine Ausnahme unter den Erstligisten – für diese Variante erwärmen. „Wir müssen weg vom Gedanken, dass das Frauenfinale lediglich als eine Art Vorspiel gilt. Wichtig ist, eine anständige Zuschauerkulisse zu bekommen“, meinte Essens Manager Willi Wissing unlängst gegenüber dem RevierSport.

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Wissing hat in Essen binnen kürzester Zeit Beachtliches auf die Beine gestellt, er ist ganz sicher kein Traumtänzer. Richtig ist auch, dass man viel erreichen kann, wenn man an eine Idee glaubt. Es wäre vermessen, eine erfolgreiche Etablierung des Frauenfinals auf Schalke schlicht als utopisch abzutun. Doch überwiegen bei mir klar die Zweifel, obgleich auch mich vieles beim derzeitigen Doppelfinale unglücklich macht.

Dem Verweis auf die konstant guten Zuschauerzahlen bei den Länderspielen der Nationalmannschaft ist entgegen zu halten, dass selbst das deutsch-deutsche UEFA-Cup-Endspiel im vergangenen Mai zwischen dem späteren Sieger FFC Frankfurt und Titelverteidiger Turbine Potsdam lediglich 4.431 Zuschauer in Potsdam und 13.200 Zuschauer in Frankfurt ins Stadion lockte, obwohl dafür ein halbes Jahr lang – und dies mit zahlreichen und großflächigen Plakaten – geworben werden konnte. In Frankfurt erhielten zudem noch Anhänger der Frankfurter Eintracht 2.000 Freikarten. Da scheint der Gedanke an eine verkleinerte Veltins-Arena für 40-50.000 Zuschauer schon reichlich kühn.

Die Nationalmannschaft ist eine Auswahlmannschaft, die „für Deutschland“ Medaillen holt und mit denen die Fans mitfiebern, weil sie eines der Aushängeschilder des deutschen Sports darstellt. Man kann zu dieser Einseitigkeit stehen, wie man will, es gilt festzuhalten, dass die Zuschauerzahlen in der Liga noch stark ausbaufähig sind und sie einem Vergleich mit der Nationalmannschaft nicht standhalten können. Und Frauenfußball hat auch noch lange nicht den Stellenwert des Biathlons erreicht. Selbst zu Bundesliga-Spitzenspielen pilgern, wenn es gut kommt, nicht mehr als 5.000 Fans. Auch die Medien machen um den Vereinsfußball noch einen großen Bogen, auch wenn kleinere Erfolge in letzter Zeit Mut machen.

Während das Doppelfinale sich großer Medienaufmerksamkeit erfreuen kann und fast jedes akkreditierte Medium – allein schon der „political correctness“ wegen – zumindest in geringem Umfang auch vom Frauenfinale berichtet, müsste das Medieninteresse eigenständig und unabhängig vom Männerfinale hergestellt werden. Um zeitliche Überschneidungen zu verhindern, bräuchte man einen eigenen Termin, der bekannt gemacht werden muss, während sich an die Doppelveranstaltung auch viele Freunde des Männerfußballs schon gewöhnt haben. Ich kenne viele Freunde, die beim Pokalfinale, wenn eh schon übertragen wird, dann „auch mal beim Frauenfußball reinschauen“. Ob dies so einfach bei einem eigenen Termin gelänge, darf bezweifelt werden. Auch besteht die Gefahr, dass das Finale selber in einem Event, wie es auch die Biathlonveranstaltung ist, untergeht und der Sportart Frauenfußball damit nicht geholfen wäre.

Noch ein letzter Gedanke: Das Risiko, die große Arena nicht einmal zur Hälfte zu füllen, ist sehr groß. Wie wenige Fans der Vereinsfußball noch in der Lage ist zu mobilisieren, könnte offener als sonst zu Tage treten. Die Schalker, die an einem lukrativen Event interessiert sind – eine Frauenfußballabteilung im Verein lehnen sie nämlich ab – werden nicht mit altruistischen Motiven an einen solchen Versuch herangehen und dem Finale bei Misserfolg mehrere Chancen geben. Geht das schief, was dann? Zurück nach Berlin mit dem Eingeständnis, auf das Doppelfinale angewiesen zu sein? Nein, in der derzeitigen Situation sind die Risiken nicht zu kalkulieren. Widerspruch oder Zustimmung sind gern gesehen. 😉

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5 Kommentare »

  • Michael sagt:

    Ich denke, dass die Trennung von Männer- und Frauen-Pokalfinale nicht sinnvoll ist. Auch wenn das Stadion in Berlin beim Frauen-Finale nur halb gefüllt ist, so sind das wahrscheinlich erheblich mehr Leute, als bei einem reinen Frauenfinale ins Stadion kommen würden.
    Ich glaube nicht, dass der Frauenfussball sich dadurch einen Gefallen tuen würde.

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  • Heiko sagt:

    Ein sehr guter und durchdachter Artikel von Katja Öhlschläger. Ich denke die Zeit ist noch nicht reif genug das Pokalfinale zu verselbstständigen. Das Risiko, das es medienwirksam schief geht, wenn man solch eine Bastion des Männerfussballes nicht mit genügend Zuschauern füllen kann ist nicht abschätzbar. So sollte besser versucht werden den Frauenbundesligafußball noch mehr ins Rampenlicht zu rücken und in der Bundesliga für größere sportliche Vielfalt sorgen. Obwohl ich als leidenschaftlicher Schalkefan und absolut bekennender „Frauenfußballer“ ein Finale in der Arena absolut spitze fände.

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  • Hallo Michael und Heiko,

    vielen Dank für Eure Kommentare!

    Es ist spekulativ, wieviele Zuschauer man für ein reines Frauenfußballfinale mobilisieren könnte. Ich meine schon, dass dies mehr sein könnten als derzeit in Berlin. Wenn das Frauenfinale beginnt, sind es, schaut man sich mal im weiten Rund um, sicherlich nicht mehr als 5.000 Zuschauer. Das letzte Jahr kann nicht als Beispiel dienen, weil viele Fans von Eintracht Frankfurt schon frühzeitig ihre Plätze eingenommen hatten, um den 1. FFC Frankfurt anzufeuern. Aber in den Jahren zuvor hatten sich bis auf die reinen Frauenfußball-Fans, deren Fanblöcke klar auszumachen sind, leider nur sehr, sehr wenige Zuschauer eingefunden.

    Wenn schließlich die Ehrenrunde des Siegers und die Siegerehrung über die Bühne gehen, dürften 20.000 Zuschauer meistens erreicht sein, weshalb die kurzen Ausschnitte, die später in den Nachrichten verarbeitet werden, noch ein ordentliches Bild abgeben. Definitiv aber bleiben zahlreiche Frauenfußball-Fans, die viel für eine Karte geben würden, außen vor. Wenn man gleichzeitig viele Zuschauer sieht, die während des Frauenfinals ins Stadion kommen und überhaupt nicht zuschauen, tut das als Frauenfußballanhänger schon weh. Da das Kartenkontingent für die Frauenfinalisten auf absehbare Zeit stark begrenzt bleiben wird, gehe ich davon aus, dass sich dann, wenn die Bundesligavereine ihr Fanpotenzial weiter erhöht haben, die Frage eines eigenen Finals noch öfter stellen wird.

    Es ist daher zu begrüßen, dass diese Möglichkeit jetzt schon gedanklich durchgespielt wird. In einigen Jahren könnte dann – eine positive Entwicklung des Frauenfußballs, insbesondere der Bundesliga vorausgesetzt – ein reines Frauenfinale durchaus reizvoll sein. Allerdings würde ich dann dafür plädieren, ein Stadion mit realistischem Fassungsvermögen in Erwägung zu ziehen. Wenn die Entwicklung so weit ist, dass man dies wagen kann, hätte ich da etwa 20.000-25.000 Zuschauer fassende Stadien im Auge, die man nicht sofort vollständig füllen muss, die sich dann aber etablieren können und nicht – wie bei Schalke – die Gefahr beinhalten, dass die mögliche Zuschauerzahl so deutlich unterschritten wird, dass kein Stadioninhaber sich eine so wenig lukrative Veranstaltung lange leisten kann. Auch wechselnde Austragungsorte, um wie die Nationalmannschaft überall mal präsent zu sein, hielte ich für durchaus überdenkenswert. Das ist aber freilich noch Zukunftsmusik.

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  • Antje sagt:

    Mich würde interessieren, wie die Spielerinnen, die in den letzten Jahren im Pokalfinale im Olympiastadion gespielt haben, die Stimmung betrachten. Ist die Stimmung in einem grossen Stadion, das sich erst langsam füllt, gut genug? Sind sie sowieso nervös, weil sie solch grosse Stadien und Geräuschkulisse zumindest in Spielen mit dem Verein nicht gewohnt sind? Oder würden sie eher ein kleineres Stadion mit Frauenfussball-Publikum befürworten?

    Hier in England findet das FA-Cup-Finale der Frauen getrennt vom Männerfinale statt. Das Frauenfinale wird seit 4 oder 5 Jahren im BBC-Fernsehen live übertragen und jedes Jahr (wechselnde Stadien mit Fassungsvermögen von 15-20.000 Zuschauern) kommen 10-12.000 Zuschauer. Alle Spiele der Frauen, ob Nationalmannschaft oder Finalspiele kosten 5 Pfund Eintritt für Erwachsene (ca. 8 Euro), Kinder zahlen die Hälfte. Finanziell ist das sicher nicht lukrativ.

    Die Stimmung bei diesen Spielen ist nicht mit einem Männerspiel zu vergleichen. Bei den FA-Cup-Finals, die ich live gesehen habe, waren jeweils nur 2 der 4 Tribünen geöffnet (wie auch bei den Gruppenspielen der Fussball-EM 2005). Die Kameras stehen dann auf der Gegenseite und zeigen nur die vollen Tribünen. Ich denke aber, in Deutschland gibt es bessere und lautstärkere Unterstützung für die Vereinsmannschaften und in einem kleineren Stadion als der Veltins-Arena kann ich mir die Stimmung für solch ein Finale gut vorstellen. Es ist in jedem Fall eine Idee für die Zukunft des Frauenfussballs. Für die Umsetzung bedarf es aber Leute, denen der Sport am Herzen liegt und nicht allein das Geld verdienen.

    Wie wird das Pokalfinale in anderen Ländern, z.B. Schweden oder Frankreich, ausgerichtet?

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  • Reizen Brazilie sagt:

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