Umeå, Frauenfußball-Eldorado im hohen Norden

Von am 10. Februar 2007 – 13.58 Uhr

Als ich gestern hörte, dass sich Umeå IK ab 1. März die Dienste der erst 16-jährigen Schweizer Nachwuchsspielerin Ramona Bachmann gesichert hat, musste ich unwillkürlich an Gunilla Nordenfors denken. Wer das ist? Nordenfors  rief 1975 in Umeå zum „Streik für Frauenfragen“ auf, der zum Auslöser einer gigantischen Frauenbewegung werden sollte, als das Wort Feminismus für die meisten noch ein Fremdwort war. Ohne sie würde es heute im hohen Norden Schwedens wohl weder zahlreiche Frauen-Netzwerke noch einen Frauenfußball-Verein von Spitzenformat geben.

Und das, obwohl die Witterungsbedingungen alles andere als förderlich sind. Denn bis in den Mai hinein liegt hier Schnee, im August fällt das Thermometer gerne schon einmal unter die Null-Grad-Grenze. 

Frauen genießen in Umeå einen besonderen Stellenwert, egal ob in Studentenbewegungen, Gewerkschaften oder auch Parteien sind sie im landesweiten Vergleich überproportional vertreten. Auf dieser Basis fand auch der Frauenfußball einen perfekten Nährboden. 

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Nach und nach gewann er in den 80er- und 90er-Jahren an Bedeutung, 1996 stieg Umeå IK erstmals in die Damallsvenskan auf. Nach einem holprigen Start sicherte man sich im Jahr 2000 erstmals die Meisterschaft. 2001 kam der Cup-Gewinn dazu und man nahm am UEFA-Cup teil. Seitdem ist Umeå IK nicht nur ein fester Bestandteil der Frauenfußball-Szene, sondern nimmt inzwischen eine Ausnahmeposition ein.

Der Fußball wird groß geschrieben in Umeå, fast 2.000 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Heimspielen der Schwedinnen. Im Sportteil der regionalen Tageszeitungen Västerbottenskuriren und Västerbottens Folksblad sind Marta, Ljungberg & Co. Thema Nummer Eins, vor Männerfußball und Eishockey. Kein Wunder also, dass neben der FIFA Weltfußballerin Marta nun möglicherweise auch der chinesische Nachwuchsstar Ma Xiaoxu bald in Umeå dem Ball hinterher jagen wird. Und Umeå wohl auch in Zukunft bei Transfergeschäften häufig die Nase vorne haben wird.

Jetzt hat man also auch noch eine junge Schweizerin in den eigenen Reihen, die UIK-Trainer Andrée Jeglertz als derart außergewöhnliches Talent beschreibt, dass er ihr bereits einen Platz in der Startformation zutraut. Auch Teams aus der Bundesliga und den USA hatten um die Verpflichtung Bachmanns gebuhlt, doch UIK hatte offenbar die besseren Argumente auf seiner Seite.

Doch worin fußt der Erfolg der Frauenfußballerinnen hier im kalten Norden? Nea Mellberg,  Emanzipationsforscherin an der Universität Umeå, hat dafür eine nahezu wissenschaftliche Begründung parat:  „Umeå ist groß genug, dass man ein feministisches Projekt in Gang setzen kann, ohne dass man angestarrt wird, aber klein genug, dass die Frauen einander kontrollieren und zusammenarbeiten können.“ Im Fußball käme es ebenfalls auf Zusammenarbeit an und es sei somit kein Zufall, dass Schwedens beste Frauenfußball-Mannschaft aus Umeå komme.

Doch erklärt das alleine den Erfolg von UIK?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.