Ins Abseits bugsiert…

Von am 9. Februar 2007 – 16.39 Uhr 3 Kommentare

…, wie das geht, das wisst Ihr alle, weibliche wie männliche Leser dieses Blogs, nicht wahr? Nicht? Notfalls erklärt es Euch Talkmasterin Vera Int-Veen auf der neuen Plattform des Männer-Bundesligisten Hertha BSC Berlin, die den ebenso originellen wie ausgesprochen innovativen Namen „Herthafreundin“ trägt. Ja, „innovativ“ will die alte Dame Hertha damit sein. Hihi, wäre man vor dreißig Jahren vielleicht noch gewesen, wenn man(n) explizit weibliche Fußballfans anspricht und deren Existenz damit – oh Schreck! – bestätigt. Heute aber, da trifft Matthias Bettag, Sprecher des Bündnis aktiver Fussballfans (BAFF) den Nagel auf den Kopf, bedient man damit lediglich „- sogar im Fußballumfeld – längst überholte Klischees“.

herthafreundin.jpgEin Ärgernis also, diese Rückwärtsgewandtheit ausgerechnet in der sonst so modernen und weltoffenen Bundeshauptstadt Berlin. Ein Ärgernis, also eigentlich überhaupt und total ungeeignet für unsere Kategorie „Witziges & Kurioses“? Jein. Natürlich würde ich mir wünschen, derartige Ideen hätten endlich ihren Ruheplatz in der Mottenkiste gefunden. Andererseits hat mich die Umsetzung so zum Lachen gebracht, dass ich meine, der einzig angemessene Umgang mit diesem Lifestyle-Angebot Marke Hertha kann für alle, die im 21. Jahrhundert angekommen sind, nur der humorvolle sein. So souverän sollten wir sein!

Denn was bietet diese Seite denn, welches Ergänzungsangebot zum Unisex-Modell www.herthabsc.de finden wir denn dort? Oder halt, ist das überhaupt eine Unisex-Homepage? War ich dort immer falsch, weil ich Informationen zur Saison, zu den Spielen, zum Stadion und Tickets suchte, mich dabei ohne Musik, Fashion- und Hautpflege-Tipps aber irgendwie gar nicht vernachlässigt gefühlt hatte? Oder weil ich mal „Nur nach Hause geh’n wir nicht!“ mitgesungen hatte, statt sofort eben dort, am Herd versteht sich, die Kochtipps auszutesten? Halt, nein, da kannte ich die ja noch gar nicht. Aber jetzt, wo ich sie kenne, soll ich das? Hm, irgendwie verwirrend.

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„Verwirrend, verwirrend, verwirrend!“, kann ich auch nur sagen, wenn ich mir die Bemühungen von Talk-Vera anschaue, uns – also allen mit dem XX-Chromosom – die Abseitsregel zu erklären. „Die Abseitsregel ist an sich gar nicht so schwer zu verstehen, wie es immer heißt. Das Problem ist nur sie anschaulich zu erklären“, heißt es dort. Toll, so kurz und bündig hat’s mir noch nie jemand erklärt, und so viel wurde mir als Frau bei der Erklärung an Voraussetzungen auch noch nie zugetraut. Nicht irgendwelche aus dem Leben gegriffenen Beispiele, weil wir das mit Beispielen aus dem Fußball ja nicht verstehen. Toll!

Nächsten Monat folgen passives Abseits und Abseitsfalle. Ob dann aus dem Einkaufsduo ein -trio wird oder die nach den schicken Schuhen gierende Konkurrentin listig einen Schritt nach hinten macht? Ich warte gespannt und reiße jetzt schon jeden Morgen voller Vorfreude das nächste Kalenderblatt ab. Oder es bleibt mir immer noch, Claudia Pechstein zu fragen. Obwohl – hoffentlich zickt die nicht rum?

Wie dem auch sei, denn ein ernstes Wort sei ja doch noch erlaubt. Hört man sich so einige Kommentatoren bei Frauenfußballspielen an, die selbst den schlechtesten Kick ganz politisch korrekt noch als „ordentliches Spiel“ bezeichnen oder das Aufnehmen eines Kullerbällchens durch die Torfrau mit einem „gut aufgepasst!“ bejubeln, beschleicht einen ganz sachte das Gefühl, es ist dieses verkrampfte Umgehen mit dem spektakulären Aufeinandertreffen von Frauen und Fußball, aus dem auch die „Herthafreundin“ gewachsen ist. Ich gebe zu – wenn ich solche Kommentare höre, werde ich auch manchmal zickig. Aber eigentlich ist es das nicht wert, oder soll vielleicht gleich ein weiteres Klischee bedient werden? Bloß nicht, mir reicht’s damit für heute.

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3 Kommentare »

  • Satine sagt:

    Schade, ich habe mir die neue Seite vor einigen Wochen angesehen und mit Freude die Abseitsregel (endlich vernünftig erklärt!) durchgelesen, dann aber vergesse (hach!) noch einmal nachzusehen und so ist mir die Erklärung von passivem Abseits und Abseitsfalle leider entgangen.
    Ich fürchte, dieses Geheimnis wird sich mir jetzt nie erschließen. Genauso wenig wie richtiges Schminken und die Zubereitung der Lieblingsgerichte meiner Fußballhelden. Jetzt muss ich mir wohl wieder nur das Spiel ansehen.
    *headdesk*

    Kleiner Artikel aus dem Pressespiegel auf Herthafreundin, der den Nagel auf dem Kopf trifft.

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  • Kein Problem, Rettung naht, denn die Erklärung zum passiven Abseits kann noch nachgelesen werden: 😉

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  • Satine sagt:

    Gott sei Dank muss ich jetzt nicht mehr dumm sterben. 🙂
    Aber bevor ich den Link anklicke, frage ich mich schon, wie das passive Abseits erklärt wird? Wird die Schuhmetaphor noch weiter strapaziert oder muss ich mich auf eine neue scheußliche Allegorie gefasst machen?
    Augenzuunddurch!

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