Pasta statt Peking-Ente

Von am 8. Februar 2007 – 9.52 Uhr 1 Kommentar

Ich muss gestehen, ich bekomme es langsam mit der Angst zu tun. Neulich las ich mit Schrecken ein Zitat von Ariane Hingst über die Nahrungsaufnahme beim Vier-Nationen-Turnier: „Wir waren schon in einem Pizza-Hut und in einem deutschen Restaurant, um satt zu werden.“  Ich schlucke erst mal kräftig und frage mich: Muss ich also während der WM zumindest einen dramatischen Gewichtsverlust ins Kalkül ziehen oder sogar Schlimmeres, falls ich mal kein europäisches Restaurant finde?

Wenn man den Berichten nach dem Vier-Nationen-Turnier in China Glauben schenken darf, sollte ich meine Reise nicht ohne einen Koch als persönlichen Begleiter antreten, denn in China gibt es offensichtlich nur Hunde und Schlangen zu essen. Und dass die keine geeignete Nahrungsgrundlage im Kampf um den WM-Titel im Frauenfußball darstellen – weder für eine Spielerin, noch für einen Journalisten -,  muss ich Euch ja nicht extra erklären.

„Wir werden deshalb bei unserem Verband einen Wunschzettel einreichen, auf dem etwa stehen könnte, dass wir bei der WM einen eigenen Koch mitnehmen wollen“, sagte Silvia Neid vergangene Woche im Interview mit der gedruckten Ausgabe der „Stuttgarter Zeitung“. Einen eigenen Koch für die DFB-Elf erhob Célia Okoyino da Mbabi bereits einen Tag zuvor gegenüber dem Bonner Generalanzeiger sogar zur Voraussetzung für einen optimalen Turnierverlauf.

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Es ist sicherlich richtig, dass die chinesische Küche Nahrungsmittel und Gewürze kennt, die für den europäischen Geschmack ungewöhnlich sind. Doch man wird China wahrlich nicht gerecht, wenn man so tut, als könne man sich dort ohne einen europäischen Koch nicht geschmackvoll und sportlergerecht ernähren.

In dem Land, das in der Vergangenheit häufig von Hungerskatastrophen heimgesucht wurde, werden heute Spitzenköche wie Halbgötter verehrt und wie Top-Manager bezahlt. Drei warme Mahlzeiten am Tag sind die Regel, die Menschen begrüßen sich mit den Worten „Chi le ma?“ („Hast Du schon gegessen?“).

Eine Überlegung ist es dennoch wert, für das lange WM-Turnier einen eigenen Koch mit nach China zu nehmen, um den Speiseplan noch individueller auf die Vorlieben der Spielerinnen zuzuschneiden.

Ein bisschen differenzierter könnte man sich allerdings schon über die Gepflogenheiten und Vorlieben anderer Länder äußern. Die Isländer kauen Hákarl, Stücke von fermentiertem Hai, die Kirgisen trinken Kumys, eine vergorene Milch. Und mal ehrlich: Was wäre Spanien ohne seinen Serrano-Schinken und seine Churros, die in Fett ausgebackenen Teigkringel? Schweden etwa ohne seine pikanten Hackbällchen Köttbullar oder Japan ohne Sushi?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Schaumschläger sagt:

    Wenn’s hart auf hart kommt, kann Ihr Pekinger Korrespondent der deutschen Mannschaft ja vielleicht auch mit einer Konservendose aushelfen. Aber natürlich nur, wenn er bis dahin endlich herausgefunden hat, wie es mit Ma Xiaoxu weitergeht. Diese Geschichte interessiert uns – wie auch sonst alles hier – nämlich brennend!

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