Es musste viel Wasser die Weser hinunter fließen…

Von am 5. Februar 2007 – 13.58 Uhr

…ehe man sich beim derzeitigen Tabellenzweiten der Männer-Bundesliga, dem SV Werder Bremen, nun doch dazu aufraffen konnte, nach 30 Jahren wieder eine Frauenfußball-Abteilung aufzubauen. Einmal hieß es jahrelang, es stehe kein Platz mehr zur Verfügung. Und vor allem wolle man nicht allen Unmut auf sich ziehen, indem man den kleineren Vereinen ihre guten Spielerinnen entzieht, erklärte Präsident Klaus-Dieter Fischer auch im Nachhinein auf der Werder-Homepage. Der Frauenfußball sollte dadurch gestärkt werden.

Was für ein Idealismus! Kaum zu glauben, oder? Findet jedenfalls auch die „taz bremen“ in ihrem Kommentar zum Bremer Aufruf „Komm ins Team!“ „Ständig werde er gefragt, warum bei Werder keine Frauen spielen, hatte Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer 2003 in der taz genörgelt. Und versichert, dass sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern würde“, heißt es dort.

Warum also nun dieser plötzliche Kurswechsel? Vieles deutet darauf hin, dass dieser Entschluss nicht nur in den Köpfen der Werder-Verantwortlichen gereift ist. „Erst vor wenigen Wochen sammelten Vertreter der UEFA im Weser-Stadion positive Eindrücke, aber eine kritische Frage wurde immer wieder gestellt: Warum bietet Werder für Frauen keine Möglichkeit an, Fußball zu spielen? Entsprechende Bitten wurden zuletzt verstärkt auch vom Bremer Fußball-Verband und vom DFB an uns herangetragen“, führt Fischer weiter aus.

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Wer sich die Vertretung Nordwestdeutschlands in den beiden höchsten Frauenfußball-Ligen anschaut, weiß warum. In Reichweite zu Bremen spielen lediglich der SuS Timmel und Victoria Gersten in der 2. Liga Nord. Die Mitgliederzahlen im Bremer Fußball-Verband stagnieren, selbst der WM-Boom sorgte nur für ein leichtes Plus. Noch müssen, wie Fischer zu Recht erwähnt, viele Spielerinnen Bremen und Umgebung verlassen, wenn sie höherklassig aktiv werden wollen.

Es macht also Sinn und kann dem Bremer Frauenfußball neuen Schwung verleihen, wenn der Traditionsverein seine finanziellen Möglichkeiten ins Spiel bringt. Ein Aushängeschild braucht jede Region, um Mädchen zum Fußball spielen zu animieren. Ob Werder nach und nach eine eigene Mannschaft aufbaut oder doch die Muskeln spielen lässt, um schneller in obere Regionen vorzudringen, wird sich zeigen.

Ehe nun der Schrei der Empörung ertönt, sollte man schon den Gedanken zulassen, ob nicht auch die Verpflichtung hoffnungsvoller Talente von kleineren Vereinen, die es ansonsten noch weiter weg zieht, der richtige Schritt sein kann, um den Frauenfußball im Raum Bremen zu stärken?

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