Neuseeland: Nur Kanonenfutter für die Großen

Von am 4. Februar 2007 – 18.30 Uhr 1 Kommentar

Ehrlich gesagt frage ich mich ja noch immer, was Australien mit Asien zu tun hat. Der Wechsel des Landes von der ozeanischen in die asiatische Fußball-Konföderation Anfang 2006 hat seltsamerweise keine größere öffentliche Diskussion ausgelöst. Richtig gefreut darüber haben sich auf jeden Fall die Frauenfußballerinnen in Neuseeland. Denn für sie hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Doch ist die Freude wirklich berechtigt?

„Ohne Australien liegt unsere Chance auf eine erfolgreiche WM-Qualifikation bei 80 bis 90 Prozent“, sagt Neuseelands Stürmerin Nicky Smith. Und sie untertreibt da eher noch, wird man es im April auf Papua-Neuguinea mit Gegnern vom Kaliber Samoas und Tongas zu tun bekommen. Eine echte Herkulesaufgabe also, weswegen man in Neuseeland von den nächsten Länderspielen auch bereits unumwunden vom Aufwärmen für die WM spricht.

Durch die neuseeländische Frauenfußball-Mannschaft weht ein kräftiger frischer Wind. Trainer Allan Jones wird in einem Bericht folgendermaßen zitiert: „Die Spielerinnen merken, dass der neuseeländische Fußballverband den Frauenfußball ernst nimmt und sie wollen das mit Ergebnissen untermauern. Hier sprüht es nur so vor Lebendigkeit.“

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Doch bei aller Begeisterung steht zu befürchten, dass die Spielerinnen nicht mal im Ansatz wissen, welches Leistungsniveau sie in China erwarten wird. „Wir sind Lichtjahre hinter den europäischen Ländern …“, gibt Jones freimütig zu.

In der jungen, unerfahrenen Mannschaft hat gerade einmal Routinier Wendi Henderson die Marke von 50 Länderspielen erreicht, womit sie erst die dritte Neuseeländerin ist, der das überhaupt gelang. Seit neun Länderspielen hat man nicht einmal mehr einen Treffer erzielt.

Damit es im September kein böses Erwachen gibt, will man schon im Vorfeld der WM gegen starke Gegner spielen. Im ersten von zwei Testspielen gegen Australien gab es am heutigen Sonntag eine 0:6-Packung. Am Dienstag tritt man ein weiteres Mal gegen die Australierinnen an.

Für den 26. August ist eine Partie gegen die USA angesetzt, fünf Tage vor WM-Beginn spielt man gegen China. Ob das reichen wird? Einen Vorgeschmack auf die Stärke potenzieller Gegner hatte man bereits im November bei zwei Niederlagen in China (0:4 und 0:3) bekommen.

Dank der neuen Ausgangsposition ist es gut möglich, dass sich Neuseeland in den kommenden Jahren den Status erarbeitet, den früher Australien innehatte – ein Abo auf die WM-Teilnahme als Ozeanien-Vertreter. Mehr aber wohl auch nicht, denn die grundsätzliche strukturelle Problematik der mangelnden Konkurrenz in der Konföderation bleibt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Mitch sagt:

    Hi,
    sicherlich ist es verwunderlich, dass Australien in der asiatischen und nicht in der ozeanischen Qualifikationsrunde spielt. Aber mich freut es für die Torhüterin des TSV Crailsheim, Rachel Howard, denn dadurch kommt hoffentlich eine weitere Bundesliga-Spielerin zu der großen Ehre, bei einer Fußball-WM mitspielen zu dürfen. Und auch wenn die Neuseeländerinnen dann verlieren werden, trotzdem waren Sie dabei!

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