Linda Bresonik zur WM? Gut wäre es!

Von am 3. Februar 2007 – 14.28 Uhr

Beim Vier-Nationen-Turnier standen bekanntlich vor allem die Spielerinnen aus der zweiten Reihe im Fokus. Für sie waren die drei Spiele eine wegen des bunt gemischten Teams zwar undankbare, zweifellos aber sehr wichtige Plattform, um mit Blick auf die WM in China für sich zu werben. Besonderes Interesse zog aus nachvollziehbaren Gründen der Auftritt von Linda Bresonik auf sich.

In den letzten Jahren sorgte die 23-Jährige auf und neben dem Fußballplatz für viele Schlagzeilen und war mehrfach Gegenstand schmieriger Boulevard-Artikel. Im Mai 2005 hatte die Essenerin sogar kurzzeitig ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt. „Diese Entscheidung tut mir nicht weh“, meinte sie damals nüchtern. Doch schon kurze Zeit später wollte sie wieder gegen das runde Leder treten. Da es in Duisburg kein Zurück mehr gab, folgte ein kurzes Intermezzo beim SC 07 Bad Neuenahr, ehe sie nun, an alter Wirkungsstätte, bei der SG Essen-Schönebeck ihre Ruhe und zu alter Spielstärke zurück gefunden hat.

Mit dem Wechsel zum derzeitigen Tabellenvierten kehrte auch der Biss zurück, wieder um einen Platz im Nationalteam zu kämpfen, aus dem sie während der WM 2003 im Unfrieden ausgeschieden war.

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Drei Jahre dauerte es für die bis dato 20-malige Nationalspielerin, bis ihr im Dezember durch die Berufung zum Leistungstest in Köln von Bundestrainerin Silvia Neid der Weg zur Rückkehr geebnet wurde.

In China hat sie nun ihr Comeback geben können und – zu Recht – Komplimente geerntet. „Sie war sehr aufmerksam, hat eine schnelle Spielauffassung gezeigt und gute Pässe in die Tiefe gespielt“, war Silvia Neid gegenüber dem RevierSport voll des Lobes. Verständlich, denn Bresonik brachte Ordnung ins Spiel und entwickelt Ideen, um ihre Vorderleute in Szene zu setzen.

Diese Qualitäten gehen den meisten ihrer Konkurrentinnen um einen Platz im zentralen Mittelfeld ab. Renate Lingor und Britta Carlson sind – wenn fit – erste Wahl. Dahinter zeigt die junge Célia Okoyino da Mbabi gewiss gute Ansätze, hat aber noch nicht die Reife, um ein Spiel zu lenken. Navina Omilade oder Viola Odebrecht bleiben in der Nationalmannschaft weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, Odebrecht fällt zudem noch einige Zeit wegen einer Meniskusverletzung aus. Und über die Versuche, positionsfremde Akteurinnen wie Ariane Hingst, Kerstin Garefrekes oder Birgit Prinz als zentrale Schaltstelle einzusetzen, hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.

Das Bedürfnis nach einer technisch versierten Mittelfeldspielerin mit Offensivqualitäten und Torgefährlichkeit ist also groß. Unter alte Geschichten muss ein Schlussstrich gezogen werden – der erste und wichtigste Schritt ist dafür gemacht. Für ihr selbst gestecktes Zwischenziel, die Nominierung für den Algarve Cup im März (siehe Interview mit der WAZ), hat sie sehr gute Karten. Bestätigt sie dort ihre Leistungen und bleibt verletzungsfrei, führt an Linda Bresonik auch bei der WM kein Weg vorbei.

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