USA: Schatten der Vergangenheit reichen weit

Von am 2. Februar 2007 – 9.50 Uhr

Greg Ryan ist das, was man gemeinhin einen Erfolgstrainer nennt. Beim 2:0-Sieg gegen China im Rahmen des Vier-Nationen-Turniers betreute er die U.S.-Auswahl zum 34. Mal. Verloren hat er noch nicht, sieht man von der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Deutschland beim Algarve Cup 2006 ab, die offiziell als Remis gewertet wird. Eine erstaunliche Bilanz, und dennoch hat der Frauenfußball in den USA mit Problemen zu kämpfen.

Nach dem Rücktritt von April Heinrichs im Februar 2005 hatte der damalige Assistenztrainer Ryan zunächst Bedenken, das Team zu übernehmen. Dem besonnenen dreifachen Familienvater mag wohl schon damals geschwant haben, auf welch schwierige Mission er sich einlässt. Doch nach dem gelungenen Probelauf und dem Sieg beim Algarve Cup nahm er die Herausforderung an – und stach gleich reihenweise namhafte Konkurrenz aus, wie etwa Pia Sundhage oder auch Tony DiCicco.

Doch eines musste auch der vom Erfolg verwöhnte Coach schnell erkennen. Siege auf dem Rasen sind nur ein Teil des Geschäfts. Die wohl schwierigere Aufgabe konnte bisher nicht zufrieden stellend gelöst werden: die Ikone Mia Hamm in den Augen der Fans vergessen zu machen.

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Fakt ist: der Zuschauerschwund bei den Spielen des U.S.-Teams ist unverkennbar. So kamen im Jahr 2006 zu den neun in den USA ausgetragenen Heimspielen im Schnitt gerade einmal rund 5.500 Zuschauer. Und das bei namhaften Gegnern wie Schweden, Kanada, Mexiko und China. Nicht gerade viel, denkt man an die Begeisterung und die Zuschauermassen bei den Weltmeisterschaften 1999 und 2003 zurück. Die Schatten der Vergangenheit reichen noch weit in die Gegenwart. Abby Wambach, Natasha Kai oder eine Lindsay Tarpley mögen sehr gute Spielerinnen sein. Glamouröse Stars vom Schlage einer Mia Hamm sind sie nicht.

Doch genau diese wären gefragt, fehlt doch den Fans in den USA in Ermangelung einer Profiliga die regelmäßige Bindung zu den Spielerinnen, denen wiederum sichtlich der tägliche harte Wettbewerb abgeht. Und dass Kristine Lilly mit ihren fast 36 Jahren bei der Wahl zur FIFA Weltfußballerin Platz zwei belegt hat, spricht bei aller Wertschätzung nicht allein für sie, sondern vor allem gegen ihre Konkurrentinnen.

Ryan hofft mit frischen Erfolgen die Fans wieder anzulocken. „Unsere Mission ist es, die WM 2007 und Olympia 2008 zu gewinnen.“ Drei Millionen Mädchen spielen in den USA Fußball. Die Sehnsucht nach einer neuen Mia Hamm ist ungebrochen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.