War diese Reise wirklich nötig?

Von am 1. Februar 2007 – 12.10 Uhr 1 Kommentar

Der israelische Journalist Uri Avnery, der in der Wochenzeitung „Freitag“ die „Eselsfrage“ zur Reise von US-Außenministerin Condoleezza Rice in den Nahen Osten stellte, war es, der mich zu diesem Beitrag animierte. War diese Reise wirklich nötig? Unwillkürlich musste ich sofort an die Teilnahme Deutschlands am Vier-Nationen-Turnier denken. War diese denn wirklich nötig?

Die Gegebenheiten in China und das chinesische Essen konnten für die WM 2007 und Olympia 2008 getestet werden, wurde Bundestrainerin Silvia Neid nicht müde hervor zu heben. Okay. Ja. Akzeptiert. Kann sicherlich nicht schaden. Wobei man ja nun nicht zum ersten Mal am Vier-Nationen-Turnier teilgenommen und China kennengelernt hat. Wie zum Beispiel die Engländerinnen. Und weiter? Hm. Spielerinnen aus der zweiten Reihe sollten sich aufdrängen und als Alternativen für die Weltmeisterschaft anbieten. So wirklich gelungen ist das meines Erachtens keiner, weswegen das positive Fazit von Bundestrainerin Silvia Neid – zumindest auf die Spiele bezogen – bei mir Verwunderung auslöst.

Babett Peter hat wieder eine solide Leistung in der Abwehr gezeigt und steht bereit. Gut zu wissen, wenn man den Altersdurchschnitt der deutschen Abwehr im Auge hat. Melanie Behringer hat erneut gute Ansätze gezeigt und die spielerische Klasse einer Linda Bresonik wird ohnehin niemand ernsthaft in Zweifel ziehen. Célia Okoyino da Mbabi und Fatmire „Lira“ Bajramaj waren emsig bemüht. Stephanie Ullrich beseitigte alle Sorgen, hinter Nadine Angerer könnte es in Anbetracht des Kreuzbandrisses bei Stammtorfrau Silke Rottenberg eng werden. Eine Ulrike Schmetz oder Uschi Holl sind ja auch noch da.

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Aber hat sich eine Sonja Fuss, hat sich eine Bianca Rech, hat sich eine Navina Omilade oder eine Jennifer Zietz aufgedrängt? Haben sie denen, die ihre Positionen gewöhnlich einnehmen, wirklich den Druck gemacht, der allgemein leistungsfördernd ist? Hätte die deutsche Mannschaft, die in den letzten Länderspielen nur seltenst geglänzt hat, nicht genau das gebraucht? Ich meine ja. Sie hätte das gebraucht und braucht das. Denn sie stagniert, und das schon eine ganze Weile.

Ich meine aber auch: Beim Vier-Nationen-Turnier war das eigentlich nicht möglich. Zu neu und bunt zusammengewürfelt war die Mannschaft. Nachrückende Spielerinnen können die Mannschaft punktuell und sukzessive verstärken, wenn sie in ein funktionierendes spielerisches Gefüge eingebunden werden. So aber musste die Mannschaft sich in völlig ungewohnter Zusammenstellung erstmal finden. Das geht nicht in einem Spiel, aber es gab nur drei. Ehe man einigermaßen aufeinander abgestimmt ist, ist das Turnier vorbei. In den nächsten Spielen, vor allem beim Algarve Cup, wird die Mannschaft ein anderes Gesicht haben. War diese Reise also wirklich nötig?

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1 Kommentar »

  • Christian sagt:

    Drehen wir es doch mal um: War diese Reise unnötig oder gar schädlich? Ich denke nein. Die Erkenntnisse aus dieser Reise – nicht nur von den Spielen allein, auch der Trainingseinsatz, die Harmonie im Team etc. – werden ja nur ein weiterer Baustein bei der Meinungsbildung des Trainerteams sein. Beim Algarve-Cup und in der Bundesliga geht es weiter.
    Das diesjährige Viernationenturnier sollte daher nicht überbewertet werden.
    Und wenn ich mich recht erinnere, war das Turnier 2003 aus deutscher Sicht auch mit einigen Experimenten versehen und es folgte eine ganz ordentliche WM. 😉

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