Was hat Pokern mit Frauenfußball zu tun?

Von am 31. Januar 2007 – 1.59 Uhr 4 Kommentare

Gestern am späten Nachmittag flatterte eine Pressemitteilung in meine Mailbox, die mich stutzig machte. Darin verkündete eine schwedische Online-Poker-Plattform, ab sofort einen britischen Frauenfußball-Verein zu sponsern. Meine Neugier war geweckt. Und ich lernte die Geschichte kennen von Andrea und Karin, den Gründerinnen des Londoner Vereins K.I.K.K. United.

Es war einmal vor einiger Zeit, da begab es sich, dass die beiden Schwedinnen, die sich kaum kannten, einen Ausflug in die Londoner Pub-Landschaft unternahmen. Auf dem Heimweg in den frühen Morgenstunden kreuzte eine Coca-Cola-Dose ihren Weg, die mit ihnen zu sprechen schien: „Kick mich, kick mich!“ Und so geschah es dann auch und die Leidenschaft für den Fußball war geboren.

Nach ein paar Jahren in einem Londoner Team suchten die beiden eine neue Herausforderung und gründeten 2004 den Verein K.I.K.K. (Kick In Kulan i Krysset, was wohl soviel bedeutet wie „Schieß den Ball ins Kreuz“) United. Der spielt heute in der 2. Division Süd der GLWF Liga. Trainiert wird zweimal die Woche in oder in der Nähe von London. Spiele finden immer am Sonntagmorgen im Regent’s Park statt. 23 Damen aus vier verschiedenen Ländern frönen hier ihrer Leidenschaft. Zuletzt gab es einen 3:0-Erfolg gegen British Airways.

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Der ungewöhnliche Sponsor-Deal gibt dem Verein, wie er betont, finanzielle Sicherheit für die gesamte Saison 2007/2008. Und nun hat die Fußballfrauen erst recht der Ehrgeiz gepackt, weiter nach oben zu kommen.

Der Poker-Anbieter möchte, wie er sagt, andere Sport-Gruppierungen am wachsenden Poker-Boom teilhaben lassen und unter anderem die Akzeptanz und den Respekt gegenüber Frauenfußball wachsen sehen.

Auch wenn sicherlich nicht nur pure Selbstlosigkeit, sondern die Hoffnung auf den Abbau von Vorurteilen gegenüber dem Pokerspiel die Antriebsfeder des Handelns ist, finde ich die Idee nicht schlecht. Und Ihr?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Antje sagt:

    Das Finden von Sponsoren ist nicht einfach im Frauenfussball. Das gilt fuer Vereine in den hoechsten Spielklassen, aber noch viel mehr fuer kleine Vereine mit ein oder zwei Mannschaften wie K.I.K.K. United.

    Als ich vor fast 5 Jahren in London mein erstes Fussballspiel in England bestritt (ebenfalls in der 2. Dvision der Greater London Womens Football League), war ich geschockt von den Gegebenheiten. Wir spielten in einem lokalen Park, die Umkleidekabine war ein miefiger Schuppen, die Toiletten funktionierten ueberhaupt nicht und vor und nach jedem Spiel mussten wir die Netze an den Toren anbringen und abnehmen. Wir hatten Trikots, die von einem Jungs-Team abgelegt waren und an Trainingsanzuege oder wenigstens Team-Pullover war nicht zu denken.

    Ich habe zuvor in Deutschland fuer zwei kleine Vereine in der Verbands- bzw. Landesliga gespielt. Auch dort gab es keine Reichtuemer zu gewinnen, aber alles lief doch etwas organisierter ab. Typisch Deutsch, wuerden die Englaender an dieser Stelle sagen.

    Nichtsdestotrotz bin ich dem Team treu geblieben und die Zeiten haben sich etwas geaendert. Wir haben uns vor 3 Jahren dem Acton Sports Club in West London angeschlossen, trainieren nun unter Flutlicht und haben bessere Bedingungen. Wir sind inzwischen 3 Jahre in Folge aufgestiegen und spielen nun in einer Art Bezirksliga in Suedost-England.

    In Sachen Sponsorship backen wir immer noch kleine Broetchen. Vor 3 Jahren hat eine Mitspielerin ihre Kosmetikfirma dazu gebracht, uns Sweatshirts zu finanzieren. Im vergangenen Jahr hat eine andere Firma, die lokale Sport-Initiativen anbietet, uns mit 1000 Pfund unterstuetzt, so dass wir nun einheitliche Regenjacken und neue Baelle haben. Und der Mitbewohner einer neuen Mitspielerin ist zufaellig der Marketingdirektor von Danone in Grossbritannien. Er kommt regelmaessig zu unseren Spielen und macht inzwischen eine Menge guter Fotos, die auf unserer Website http://www.actonsportsclub.com zu sehen sind. Das Beste an allem ist aber, dass seine Firma uns gerade zwei Saetze Trikots spendiert hat. Hmmmmh, Danone.

    Wenn also jemand eine Poker-Firma finden wuerde, die uns sponsorn will, wuerden wir das Angebot dankend annehmen.

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  • Hans Bauer sagt:

    Für kleine Vereine ist die Gewinnung von Sponsoren ein Problem –
    doch ich könnte es als Betreuer nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, für eine „Pokerfirma“ Werbung zu machen. Die Spielsucht
    ist in unserer Gesellschaft ein weit verbreitetes und unterschätztes
    Problem. Jugendliche sind besonders gefährdet. Mit finanziellen
    Zuwendungen an Vereine durch diese, es „gut meinenden“ Verführer, als Werbeträger geködert zu werden,
    ist deshalb grundsätzlich abzulehenen. Es bedarf der Mut zu Werten und Moral, manchmal auch auf Verzicht, sich gegen die Vermarktung um „jeden Preis“ zu wehren.
    Hansi Bauer

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  • Hans Bauer sagt:

    Für kleine Vereine ist die Gewinnung von Sponsoren ein Problem –
    doch ich könnte es als Betreuer nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, für eine „Pokerfirma“ Werbung zu machen. Die Spielsucht
    ist in unserer Gesellschaft ein weit verbreitetes und unterschätztes
    Problem. Jugendliche sind besonders gefährdet. Mit finanziellen
    Zuwendungen an Vereine durch diese, es „gut meinenden“ Verführer, als Werbeträger geködert zu werden,
    ist deshalb grundsätzlich abzulehenen. Es bedarf der Mut zu Werten und Moral, manchmal auch auf Verzicht, sich gegen die Vermarktung um „jeden Preis“ zu wehren.
    Hansi Bauer
    (Moralapostel)

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  • Satine sagt:

    Ich hätte keine Vorbehalte für eine Poker-plattform Werbung zu machen. Natürlich ist die Spielsucht ein unterschätzes Problem und mit der ganzen Werbung, den Reportagen und Dokus entstand auch bei mir der Eindruck, dass die Einzigen, die beim Pokern reich werden, die sind, die Spiele anbieten.

    Dennoch muss sich keine Spielerin vorhalten lassen, sie hätte jemanden zur Spielsucht animiert. Wie beim Konsum von Alkohol ist es ein Unterschied, ob man etwas hin und wieder macht oder ob es zur Sucht ausartet, wobei eine Sucht meines Erachtens nur ein Symptom für tieferliegende Probleme ist.

    Idealismus ist schön und gut, aber wenn es um das Überleben des Vereins geht, würde ich persönlich keine Sekunde zögern. Mit der Trikotwerbung verkauft man ja auch nicht seine Seele an den Teufel.

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