Ist Norwegen reif für den WM-Titel?

Von am 31. Januar 2007 – 14.12 Uhr 1 Kommentar

Es hat schon eine gewisse Tradition, dass Norwegen nach Zypern reist. Das war Anfang der 90er-Jahre schon so, als man sich etwa 1990, 1992 und 1993 jeweils zu einem Miniturnier, dem Zypern-Cup, mit anderen Teams in Agia Napa traf. Ab kommenden Sonntag wird der Vizeeuropameister ein 12-tägiges Trainingslager auf der Mittelmeerinsel durchführen. Bei Temperaturen an die 20 Grad wird der offizielle Start in die WM-Vorbereitung fallen. Doch inoffiziell hat das Unternehmen „WM-Titel“ längst begonnen.

Norwegens Trainer Bjarne Berntsen hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mit seinem Team ganz nach oben will, auch wenn nach der offiziellen Sprachregelung ein Platz „unter den Top 3“ angepeilt wird. In einem Telefongespräch sagte er mir neulich: „Ich denke schon, dass wir den Abstand auf Deutschland verringert haben, aber er ist noch nicht ganz verschwunden und daran müssen wir bis September arbeiten.“ Am 7. März können sich die beiden Teams zum Auftakt des Algarve Cup beschnuppern.

Mit Genugtuung nimmt Berntsen zur Kenntnis, dass seine jungen Talente die Routiniers mächtig unter Druck setzen. Einige der größten Nachwuchshoffnungen, wie die uns schon von der EM 2005 bekannte Isabell Herlovsen oder auch Melissa Wiik, wurden abkommandiert zum nahezu zeitgleich zu Zypern stattfindenden Trainingslager der U-23 im spanischen La Manga. 

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Dort wird es bei zwei Testspielen mächtig zur Sache gehen, denn die Besten dürfen mit zum Algarve Cup und wohl auch zur WM. Etwa sechs Positionen im 21-köpfigen WM-Kader  sind noch nicht vergeben, der Konkurrenzkampf ist voll entbrannt. Was Berntsen nur recht sein kann.

Der norwegische Verband hat zudem die finanzielle Unterstützung der Spielerinnen kräftig aufgestockt. So bleibt mehr Zeit zum Trainieren. Schon jetzt gibt es für die Nationalspielerinnen in Oslo und Umgebung regelmäßige Sonderschichten. „Wir müssen mehr trainieren als früher, wenn wir in China mithalten wollen“, so Berntsen.

Wenn die Norwegerinnen in den kommenden Monaten auch noch lernen, kaltschnäuziger vor dem Tor zu werden, scheint alles möglich. Ist Norwegen reif für den WM-Titel?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Denker sagt:

    Ich denke, sie sind reif für den Titel. Sie spielen gefälliger und engagierter als die deutsche Mannschaft und haben mit Gulbrandsen, Rønning, Stensland, Klaveness oder der jungen Herlovsen die besseren Einzelspieler als Schweden. Wenn sie torgefährlicher werden, können sie nur die USA bremsen. Auf die Testspiele gegen die USA, Kanada oder Deutschland bin ich schon total gespannt. Was sie sich bei der WM ausrechnen, sieht man eindeutig an ihren Testspielgegnern. Parallel spielt Deutschland beispielsweise gegen Belgien, Wales oder die Niederlande in der EM-Quali. Da sollte man sich schon um bessere Gegner kümmern.

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