Presseschau Vier-Nationen-Turnier (3)

Von am 30. Januar 2007 – 14.07 Uhr 2 Kommentare

Das Vier-Nationen-Turnier ist vorbei, am Ende sicherten sich die USA mit einem 2:0-Erfolg gegen China den Turniersieg vor den Gastgeberinnen. Deutschland landete auf Platz drei, gefolgt von den Engländerinnen, die aber trotz des letzten Platzes am Ende wohl mit der größten Genugtuung die Heimreise antreten werden. Deutschland blieb hingegen erst zum zweiten Mal in seiner Länderspielgeschichte in drei Spielen in Folge ohne Torerfolg. Umso erstaunlicher das überschwängliche Fazit von Bundestrainerin Silvia Neid.

Deutschland – England 0:0

Mit Einzelheiten zum müden Kick der beiden Teams zum Abschluss des Vier-Nationen-Turniers in China wollen wir uns nicht länger aufhalten. Bundestrainerin Silvia Neid verteilte nach der Partie Lob und Kritik gleichermaßen: „Mit der Abwehrleistung war ich heute erneut zufrieden, nicht mit dem Spiel nach vorne. Dennoch bin ich zufrieden. Die Ergebnisse standen nicht so im Vordergrund. Ich wollte Eindrücke von den Spielerinnen bekommen und habe insgesamt viel Positives gesehen“, wird sie auf der DFB-Website zitiert.

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Und der DFB legt gleich noch mit einem Neid-Interview nach, in dem die Bundestrainerin ein für meinen Geschmack doch etwas zu überschwängliches Fazit zieht: „Ich muss gestehen, die Mannschaft hat mich positiv überrascht“, lese ich dort mit einiger Verwunderung.  Zum Thema WM-Kader lässt Neid sich noch nicht in die Karten schauen: „Der Kader sollte ausgewogen besetzt sein und die nominierten Spielerinnen sollten uns Variationsmöglichkeiten eröffnen. Menschlich sollte es auch passen, schließlich werden wir eine ganze Weile zusammen sein.“

Und auch der Sportinformationsdienst (sid) will sich der positiven Gesamtbewertung nicht unumwunden anschließen. In dem Artikel „Dritte Nullnummer für die DFB-Frauen“ heißt es: „Nach den ordentlichen Auftritten gegen die USA und China war das DFB-Team beim 0:0 gegen den Fußball-Mutterland der Kräfteverschleiß deutlich anzumerken.“ In einer Zwischenüberschrift ist sogar von einem „Rückschritt gegen England“ die Rede.

Auf der Website des englischen Verbands bringt man hingegen Zufriedenheit zum Ausdruck, nach der Auftaktniederlage gegen China gegen die beiden Topteams der FIFA-Weltrangliste einen Teilerfolg gelandet zu haben. „Lions hold World’s Best“ heißt es stolz in der Überschrift zum Spielbericht gegen Deutschland. England habe die Partie „dominiert“ und nach 15 Niederlage in Folge gegen Deutschland zum ersten Mal ein Unentschieden erzielt. Dies gebe den Spielern „unermessliches Vertrauen“ für die nächsten Spiele gegen Russland, Schottland und die Niederlande sowie für die WM in China im September.

Die BBC schreibt in ihrer Online-Ausgabe im Artikel „China experience pleases Powell“ von „zwei hervorragenden Unentschieden“ gegen die Topteams. Trainerin Hope Powell freut sich über den „massiven psychologischen Schub“ der beiden Remis und über die möglicherweise „unbezahlbare Turniererfahrung“, die man gewonnen habe.

USA – China 2:0

ussoccer.com schwärmt unter der Überschrift „A Win-Win for U.S“ und dem angehängten Spielbericht: „Es ist großartig für uns, das Team auf diese Art und Weise zu beenden. Meine Spielerinnen werden daraus eine Menge Selbstvertrauen ziehen (…)“, wird Trainer Greg Ryan zitiert. Der Chefcoach der Amerikaner blieb auch im 34. Spiel unter seiner FÜhrung ungeschlagen. Ryan wurde zudem auch noch die Auszeichnung „Bester Trainer des Turniers“ verliehen. U.S.-Keeperin Hope Solo wurde zur besten Torhüterin des TUrniers gekürt, Englands Spielführerin Kelly Smith zur besten Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Der Titel der besten Torschützin wurde nicht verliehen, da gleich sechs Spielerinnen mit einem Treffer gemeinsam an der Spitze der Torschützenliste stehen.

Die Nachrichtenagentur AFP geht neben dem Spielbericht auf den Gesundheitszustand von Chinas Trainer Ma Lianxing ein, der mit den Worten „Ich war beim Gesundheitscheck und fühle mich ziemlich gut“ zitiert wird und somit vorerst Spekulationen aus dem Weg räumt, der deutsche Trainer Eckhard Krautzun, der kürzlich als neuer Berater des chinesischen Teams vorgestellt wurde, könne sein Nachfolger werden.

Presseschau Vier-Nationen-Turnier (2)
Presseschau Vier-Nationen-Turnier (1)

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Antje sagt:

    Hier in England wurden die Unentschieden gegen die beiden Topteams USA und Deutschland als Erfolg gewertet. Kelly Smith wurde in beiden Spielen zur besten Spielerin ernannt. Ich habe leider keins der Spiele gesehen und stuetze mich daher nur auf die englische Presse.

    Trotz der Ansicht zu Beginn des Turniers, dass es fuer England eigentlich schade sei, dass Deutschland und die USA „geschwaecht“ antreten, denke ich, England kann eine Menge aus dem Turnier mitnehmen. So albern es klingt, die Erfahrung mit chinesischen Sitten und dem Essen scheint durchaus interessant und lehrreich gewesen zu sein. Die Spielerinnen wissen nun, worauf sie sich bei der WM einstellen muessen. Hope Powell meinte, die Spielerinnen haetten die ganze Zeit zu wenig gegessen und sah daher die Gefahr, sie wuerden geschwaecht auflaufen.

    Die gewonnene Turniererfahrung ist sehr wertvoll, wenn man bedenkt, dass viele Spielerinnen bis auf die EM vor 2 Jahren, die als Gastgeber ohne Qualifikation erreicht wurde, kaum grosse Turniere gespielt haben.

    Und fuer das englische Selbstvertrauen in der Vorbereitungsphase sind die beiden Unentschieden viel wert. Ich bin jedenfalls durchaus optimistisch, dass England bei einer guten Gruppenauslosung bei der WM zumindest in die naechste Runde kommen kann. Nicht zulwtzt weil die Mannschaft zu einem grossen Teil bei Arsenal spielt und sich daher gut kennt und eingespielt ist.

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  • Markus Juchem sagt:

    Bis auf die erste Halbzeit im Spiel gegen China hat sich England wirklich teuer verkauft. Und ich denke, es war wichtig für das Team, einfach mal zu sehen, dass man auch mit den „big names“ mithalten kann. Einbilden muss man sich darauf sicherlich noch nichts, aber es war schon beeindruckend, wie Kelly Smith gelegentlich Kerstin Stegemann ganz schön alt aussehen ließ.

    Für mich ist England der große Gewinner dieses Turniers. Ob die anderen Mannschaften wirklich so wertvolle Erkenntnisse gewonnen haben, wird man noch sehen. Noch am ehesten vielleicht China. Für Deutschland hatte das Turnier meiner Meinung nach vor allem eine Erkenntnis parat: Dass der zweite Anzug lange noch nicht so sitzt, wie man das wohl gerne hätte. Da hätte ich mir schon mehr Impulse erwartet. Die großen Gewinnerinnen im Team waren wohl die Spielerinnen, die zuhause geblieben sind.

    Für die U.S.-Spielerinnen, die derzeit über keine wirklich wettbewerbsfähige Liga verfügen und sich mit Testspielen fit halten müssen, waren diese Spiele sicherlich auch nicht ganz unwichtig.

    Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf die WM, denn meiner Meinung nach haben Teams wie die USA und Deutschland in den vergangenen Jahren keine besonders großen Fortschritte gemacht.

    Die Konkurrenz macht stetig Boden gut und man darf gespannt sein, ob eines der anderen Teams das vielleicht in China schon ausnutzen kann. Ich glaube, das Turnier wird viel offener werden, als manch einer das heute vielleicht vermutet.

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