Namibias Frauen träumen von Olympia

Von am 29. Januar 2007 – 10.50 Uhr

Ich wollte schon immer mal nach Afrika. Unter anderem nach Namibia. Das Nachbarland Südafrikas ist zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland, hat aber nur eine Handvoll mehr Einwohner als Hamburg. Promis wie Schauspielerin Angelina Jolie fahren dorthin zum Kinderkriegen, das ZDF widmete der ehemaligen deutschen Kolonie kürzlich einen Zweiteiler. Zu Recht, denn Namibia hat Spannendes zu bieten, auch im Frauenfußball.

Noch im Jahr 2000 dümpelte die Nationalmannschaft ziellos vor sich hin, im Juni verlor man 0:11 gegen Zimbabwe. 2003 gab es für die „Brave Gladiators“ zwei weitere zweistellige Niederlagen (0:13 und 1:13) in Olympia-Qualifikationsspielen gegen Südafrika – die so genannte Pornoaffäre überschattete das Hinspiel und sorgte für Negativschlagzeilen in aller Welt.

Im Juni 2005 fand dann in der namibischen Hauptstadt Windhoek ein Frauenfußball-Workshop statt. Er war so etwas wie der Startschuss für eine positive Entwicklung, die bis heute anhält. Die Strategie des namibischen Fußballverbands (NFA): landesweit systematisch Talente zwischen 12 und 19 Jahren zu sichten und ihnen die Gelegenheit zu verschaffen, regelmäßig Fußball zu spielen.

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Erste Erfolge

Und die neue Ausrichtung trug schnell erste Früchte: Bereits 2006 gab es einen Durchbruch in die regionale Spitze. Namibia erreichte in Sambia das Finale des COSAFA Castle Cup, wo man erst nach hartem Kampf und einer 1:0-Führung 1:3 gegen Südafrika verlor. Eine bemerkenswerte Vorstellung.

Ein Frauenfußball-Symposium im November 2006 sowie finanzielle Unterstützung der FIFA liefern weiteren Brennstoff für die Entwicklung, genauso wie NFA-Präsident John Muinjo, der wie DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ein leidenschaftlicher Verfechter des Frauenfußballs ist.

Bis 2008 soll die Anzahl aktiver Spielerinnen um 20 % erhöht werden, in jeder Region des Landes sollen U-10-, U-12-, U-15-, U17- und U-20-Auswahlmannschaften aufgebaut werden. Diese werden einmal im Jahr zu einem großen Turnier in Windhoek zusammengezogen, um anschließend aus den besten Spielern eine Nationalmannschaft zu bilden. Das große Ziel: die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking 2008. „Die Mädchen sind bereit“, sagt Interimstrainerin Jacqueline Shipanga.

Nächstes Ziel Olympia-Qualifikation

Am Wochenende gab es zwei Spiele gegen Zimbabwe in Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben (2:1 und 0:2). Mit viel versprechenden Talenten im eigenen Kader, wie der 17-Jährigen Toshi Hausiku oder der gar erst 15-Jährigen Verteidigerin Stacey Naris.

Ein guter Test, denn am 17. Februar und 10. März geht es zum Auftakt der Olympia-Qualifikation gegen die Demokratische Republik Kongo. In der Weltrangliste liegt Namibia derzeit noch auf Platz 122, doch die Top 100 hat man bereits fest im Visier.

Namibia bei Olympia 2008 – realistisches Ziel oder Utopie?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.