Presseschau Vier-Nationen-Turnier (2)

Von am 28. Januar 2007 – 16.11 Uhr

Nach dem zweiten Spieltag beim Vier-Nationen-Turnier in Guangzhou weiß die internationale Presse nicht allzu viel zu berichten. Während Chinas Torhüterin Han Wenxia gelobt wird für ihre tolle Leistung im Spiel gegen Deutschland, wird das überraschende Remis Englands gegen die USA nicht näher analysiert. Schade, eigentlich!

Inzwischen scheint die schreibende Zunft aber bemerkt zu haben, dass „Standortbestimmung“ wohl nicht der richtige Ausdruck ist für die Bedeutung des Vier-Nationen-Turniers. Zu lesen ist er seit Beginn dem ersten Spiel jedenfalls nicht mehr. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum man der Leistung Englands keinen größeren Tribut zollt.

China – Deutschland 0:0

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Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hebt die Leistung von Torhüterin Han Wenxia hervor, die mit einigen „zauberhaften Paraden“ das torlose Remis gegen Welt- und Europameister Deutschland festgehalten habe. In den ersten zehn Minuten habe China beflügelt durch den 2:0-Erfolg gegen England die deutschen Spielerinnen in Schwierigkeiten gebracht. Die beste Chance habe China in der 67. Minute vergeben, als Stürmerin Liu Sa an Torhüterin Stephanie Ullrich scheiterte.

Associated Press (AP) zitiert Chinas Trainer Wang Haiming, der selbstbewusst verkündet: “Deutschland ist eines der besten Teams auf der Welt und wir haben den Abstand verkürzt”. Agence France Presse (AFP) würdigt die Leistung der Chinesinnen, die Deutschland ein torloses Remis „abgetrotzt“ hätten.

Auf der DFB-Webseite spricht man von einer „guten Leistung“ der deutschen Mannschaft und „zahlreichen Torchancen“. Torhüterin Stephanie Ullrich wird nach ihrem Nationalmannschaftsdebüt eine „durchweg gute Partie“ bescheinigt. Auf die mangelnde Chancenverwertung geht man nicht näher ein, außer in einem Zitat von Bundestrainerin Silvia Neid, die sich „sehr zufrieden mit der Leistung“ ihrer Mannschaft zeigt.

England – USA 1:1

Xinhua spricht von einem „verdienten Unentschieden“ für die Engländerinnen, die die USA „geschockt“ hätten.

Associated Press (AP) betont, England habe der amerikanischen Defensive „kontinuierlich“ Probleme bereitet Dazu zitiert die Nachrichtenagentur U.S.-Trainer Greg Ryan mit den Worten: „Ich denke, England hat heute das bessere Spiel gezeigt“. Erstaunlich, denkt man an die wenig überzeugende Leistung der Engländerinnen bei der 0:2-Niederlage gegen China zwei Tage zuvor.

Auch die Website des englischen Fußballverbands spricht von einem „äußerst verdienten“ Unentschieden und lobt die „Dominanz“, die man gegen den Weltranglistenzweiten ausgeübt habe.

Die BBC hebt hervor, dass der Treffer von Arsenal-Spielerin Alex Scott der erste gegen die USA seit einem 2:0-Sieg im Jahr 1988 war. Seitdem hatte es sechs Niederlagen in Folge gegeben.

Im amerikanischen Lager musste man dieses unerwartete Unentschieden wohl erst einmal verdauen. Auf der Website ussoccer.com, sonst für seine Schnelligkeit bekannt, fand sich auch fünf Stunden nach Ende der Partie kein Wort zur Partie. Doch inzwischen ist dort der gewohnt ausführliche Spielbericht zu finden. Für U.S-Trainer Greg Ryan war das Resultat zweitrangig: „Allein die Erfahrung wird den jungen Spielerinnen sehr helfen.“

Presseschau Vier-Nationen-Turnier (1)

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.