Aufgepasst auf China!

Von am 26. Januar 2007 – 18.40 Uhr

Alle Achtung – das war schon beeindruckend, wie die chinesischen Fußball-Frauen in ihrem Auftaktspiel zum Vier-Nationen-Turnier England in der ersten Halbzeit schwindlig spielten. Das einmonatige Trainingslager vor dem Turnier hat sich offensichtlich schon jetzt bezahlt gemacht. Dabei sorgte vor allem eine Spielerin für Furore, die im Trubel um Nachwuchsstar Ma Xiaoxu in der Vergangenheit etwas im Schatten stand: Han Duan.

Die pfeilschnelle Stürmerin war nie in den Griff zu bekommen und ließ ein ums andere Mal ihre Gegenspielerin alt aussehen. Den Treffer zum 2:0 erzielte sie selbst per Kopf, ein zweiter Kopfballtreffer wurde aberkannt. An diesem Tag stimmte alles: Hervorragende Balltechnik, Dribbelstärke, Passgenauigkeit und Torgefährlichkeit. „Eines Tages wird Han Duan zu einer Weltklassespielerin gereift sein. Sie bringt alle Qualitäten und Voraussetzungen mit, die eine herausragende Stürmerin ausmachen,“ so Chinas Frauenfußball-Legende Sun Wen bereits 2003.

In China gilt die 23-Jährige als gute Spielerin, der es gelegentlich an Konstanz und mentaler Stärke mangelt. Doch diese Probleme scheinen der Vergangenheit anzugehören. Han ist auf dem Höhenflug und gleich zwei Unternehmen zahlten in China gutes Geld, um einen Blog für Han produzieren zu dürfen (Han Duan Blog 1, Han Duan Blog 2; jeweils auf Chinesisch, aber mit einigen schönen Fotos).

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Dabei steht Han Duan nur beispielhaft für einen Entwicklungsprozess, der in mehreren Ländern Asiens zu beobachten ist. Spätestens seit der U-20-WM im vergangenen Jahr in Russland, als zwei asiatische Teams das Finale bestritten, ist offensichtlich, dass dieser Kontinent die größten Fortschritte im Frauenfußball gemacht hat. Und auch Renate Lingor sagte bereits im Oktober zu mir: „Die asiatischen Teams werden wir bei der WM im Auge behalten müssen. Da kann schon die eine oder andere Mannschaft vorne mitmischen.“

Am Sonntag werden wir uns im Spiel China gegen Deutschland vielleicht schon ein weiteres Mal vom Aufschwung Ost überzeugen können.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.