Die nackte Elf

Von am 23. Januar 2007 – 21.43 Uhr 9 Kommentare

Als ich gestern Nachmittag im Internet surfte, erregte ein kleiner Artikel in der Online-Ausgabe der spanischen Sportzeitung „Marca“ meine Aufmerksamkeit. „Die beste spanische Frauen-Futsal-Mannschaft zieht sich aus“ stand da in ziemlich großen Lettern geschrieben.

Aus dem Artikel konnte man erfahren, dass sich die Spielerinnen von Tabellenführer Encofra Navalcarnero dazu entschlossen hatten, für die Zeitschrift „Interviú“ die Hüllen fallen zu lassen, um damit gegen die ihrer Meinung nach mangelnde Berichterstattung in den Medien zu protestieren. Gleich elf Spielerinnen prangen dort, kaum verhüllt, auf einer Doppelseite.

„Es ärgert uns, wenn nur 50 Zuschauer zu unseren Spielen kommen“, beklagen sie sich bitterlich. „Wir sind Futsal-Spielerinnen und keine Models. Diese Art von Reportagen macht mich wütend, aber weil uns keiner Aufmerksamkeit schenkt, bleibt uns als einzige Möglichkeit, uns auszuziehen“, meint Kapitänin Eva Menguán (sie wurde sechs Mal Meisterin in Folge), die ihre Mitspielerinnen zu der ungewöhnlichen Aktion animiert hat.

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Auch in Deutschland gibt es derzeit ähnliche Irrwege zu bestaunen, wie etwa auf der Website der Essener Spielerin Mirja Kothe, wenngleich die Motivation hier wohl vor allem eher narzisstischer Natur sein dürfte.

Dass die Frauen mehr Anerkennung und Resonanz für ihren Sport erzielen wollen, ist logisch. Zu glauben, dass mithilfe derartiger Aktionen mehr Zuschauer den Weg in die Halle oder ins Stadion finden, ist aber wohl eher abwegig. Die Wahl der Mittel mehr als fraglich.

Denn die sportliche Leistung soll die Schlagzeilen bestimmen, wie sonst ja stets betont wird, wenn sich die Boulevardpresse wieder einmal mit dem Privatleben der Spielerinnen beschäftigt. Für mich eher Doppelmoral als nachvollziehbarer Tatendrang. Oder etwa nicht?

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Salvatore sagt:

    Wenn Sportlerinnen sich nackt zeigen, beginnt jedesmal, aber auch wirklich jedesmal, das Rumgejaule, dass sie doch eigentlich durch Leistung überzeugen sollen usw. Interessanterweise gibt es diese Weinerlichkeit bei männlichen Sportlern, die sich ausziehen, und die gibt es zur Genüge, nicht. Sport ist aber nunmal körperlich und auch erotisch. Frauen die Sport treiben können ebenfalls erotisch sein. Warum sollten sie das nicht zeigen wollen. Der verbissene Wettkampf ist doch eher etwas für Männer. Warum sollten Frauen nicht spielerischer damit umgehen. Welche Sorte Prüderie spricht aus den Kommentatoren. Dazu kommt: Die Leistung der Frauen wird nicht mit denen der Männer vergleichbar sein. Sich z. B. Frauenfußball anzuschauen ist gleichbedeutend damit, sich Jugendfußball oder unterklassigen Männerfußball anzusehen. Warum sollten Frauen nicht ihre originären Vorteile nutzen. Denn auf dem Gebiet der Erotik sind Frauen Männern klar überlegen. Im sport, vor allem bei Mannschaftssportarten ist das eher umgekehrt.

    Ciao
    Salvatore

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  • Satine sagt:

    Die Frage, warum das Ausziehen bei Frauen schlimmer ist als bei Männern, habe ich mir auch schon oft gestellt.
    Es gibt wirklich genügend Beispiele von männlichen Fußballern, die halbnackt und mit geölten Körper in homoerotischer Pose vor der Kamera posieren.
    Über die Leistungsunterschiede zwischen Frauen – und Männerfußball zu diskutieren, ist ebenso sinnlos wie über die Unterschiede auf dem „Gebiet der Erotik“.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Salvatore: Es sind doch aber die Spielerinnen selber, die immer wieder betonen, dass sie ausschließlich wegen der Leistung auf dem Rasen wahrgenommen werden wollen.

    Im gleichen Atemzug dann aber wenn es gerade beliebt die „originären Vorteile“ einzusetzen ist eine Doppelmoral. Auf nichts anderes sollte hingewiesen werden.

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  • leni sagt:

    Gab es nicht auch eine deutsche Mannschaft die ähnliches gemacht hat? Einen Kalender? Duisburg?

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  • oliist sagt:

    ^ Das müsste dann aber vor Liras und Simones Zeit gewesen sein,sonst würde ich mich daran sicherlich erinnern. *schwärm* 😉

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  • jayden sagt:

    Ich meinte es wäre Saarbrücken gewesen.

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  • Zidane64 sagt:

    Es war Saarbrücken.

    Der Zuschauerboom kam da eher durch das Pokalfinale und die guten Leistungen in der Liga.

    Ich kann trotzdem nichts Verwerfliches an der Calender-Girl-Geschichte finden. Es war ein erster Versuch mit einem Merchandising-Artikel der Frauenmannschaft, von denen es mittlerweile eine ganze Reihe gibt.

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  • Billigflüge sagt:

    Hallo und guten Tag,

    es ist beschämend, dass Frauen sich ausziehen müssen, um als Sportlerinnen anerkannt zu werden. Es gibt genug Sportlerinnen, die es ohne diesen Umweg zum Erfolg geschafft haben.
    Wenn einige Frauen meinen, dass die Besucherzahlen steigen, weil sie eine Woche vorm Spiel nackt zu sehen waren, haben sie sich gewaltig geschnitten.
    Dieses Betragen erwarte ich eigentlich von jungen, naiven, nicht-selbstsicheren Mädchen, aber nicht von Profifussballerinnen.

    Es ist hart, aber Frauenfussball ist nun mal nicht so beliebt wie Männerfussball…

    Sorry!

    🙂

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  • Linksfuss sagt:

    Hallo,

    ich denke es ist eine Frage der Zielgruppe und keine Frage, ob Mann oder Frau sich ausziehen.

    Bester Beweis ist – eine Website mit halbnackten Fußballern, gestaltet von Frauen.

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